Strade Bianche 2026: Schlag auf Schlag gehts in der Radsportsaison im März zur Sache. Auf das Opening Weekend folgt das Schotter-Wochenende. Tadej Pogacar peilt in der staubigen Toskana seinen vierten Sieg an. Erwartet uns ein langweiliges Rennen oder ein spannender Kampf um den Sieg? In unserer Strade Bianche 2026 Vorschau blicken wir auf die Favoriten und die Strecke – denn die hat sich leicht geändert.
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Strade Bianche 2026 mit 18 Schotter-Kilometer weniger
Wohl kein Rennen genießt nach nur so wenigen Jahren so viel Aufmerksamkeit und Bewunderung wie Strade Bianche. Erst zum 20. Mal wird dieses italienische Eintagesrennen ausgetragen. Und viele Fans fordern schon seit geraumer Zeit, dass dieses Rennen den Stellenwert eines Monuments haben sollte. Auch Strade Bianche 2026 verspricht, ein interessantes Rennen zu werden, auch wenn die Schwierigkeit etwas heruntergeschraubt wurde. Denn insgesamt sind satte 18 Kilometer weniger auf Schotter zu absolvieren als noch im Vorjahr. Statt 16 Schotter-Sektoren warten auf die Profis jetzt nur noch 14. Und anstelle von 82 Schotter-Kilometern sind jetzt nur noch 64 auf den berühmt-berüchtigten weißen Straßen zu absolvieren. Auch insgesamt verringert sich die Länge des Eintagesrennens durch die Toskana. 14 Kilometer stehen bei Strade Bianche 2026 weniger auf dem Programm.

Spätestens im sechsten Sektor liegen die Karten auf dem Tisch
Herausgenommen wurden die Schotter-Sektoren La Piana (6,4 km) und Seravalle (9,3 km). Der Vidritta-Abschnitt, erster Sektor des Tages, wurde außerdem von 4,4 km auf nur 2,4 km reduziert. Deutlich leichter wird das Rennen dadurch aber nicht, denn wie wir aus Erfahrung wissen, machen die Rennfahrer das Rennen. Und da erwartet uns erneut ein heftiger Schlagabtausch. Geht Tadej Pogacar [UAE – XRG] wieder sehr früh in die Offensive, ist mit einem Angriff ab Sektor vier zu rechnen. Dieser ist 11,9 km lang und damit der längste im gesamten Rennen, Direkt darauf folgt Sektor fünf, der noch einmal 8,0 km lang ist. Diese Phase des Rennens lädt dazu ein, schon früh eine Entscheidung herbeizuführen. Durchaus möglich ist aber auch, dass Pogacar hier seine Helfer einspannt und somit all seine Kontrahenten schwächt. Selbst attackiert er dann spätestens im sechsten Sektor. Da dieser auch deutlich ansteigend ist, kann er hier eine Lücke mit Sicherheit aufreißen.

Strade Bianche 2026 Favoriten: Keiner kann Pogacar schlagen
Wir könnten jetzt künstliche Spannung erzeugen und uns überlegen, wie Tadej Pogacar [UAE – XRG] bei Strade Bianche 2026 zu Fall gebracht werden könnte – natürlich nicht wörtlich gemeint. Und so viel dieses philosophieren auch Spaß macht, so unrealistisch ist ein solches Szenario. Pogacar wird – sofern er hoffentlich nicht stürzt – auch in diesem Jahr nicht zu schlagen sein. Bei Strade Bianche kann der Slowene all seine Stärken perfekt ausspielen. Seine Radbeherrschung, seine Ausdauer, seine Zähigkeit und sein Antritt machen ihn hier unschlagbar. Mit einem spannenden Rennen um den Sieg ist daher leider nicht zu rechnen. Wenn Pogacar attackiert, geht es dahinter nur noch um Rang zwei.
Springen Pidcock und Seixas hinter Pogacar aufs Podium?
Einer der Favoriten auf den zweiten Platz ist in seiner aktuellen Verfassung Paul Seixas [Decathlon CMA CGM]. Der Franzose ist sensationell in die Saison gestartet und hat scheinbar den Anschluss zur Weltspitze bereits geschafft. Allerdings wissen wir nicht, wie sehr ihm Strade Bianche 2026 liegt. Dass Thomas Pidcock [Pinarello Q36.5] solche Rennen mag, wissen wir hingegen. Der Brite peilt den Sieg an, sollte aber mindestens auf dem Podium landen. Ebenfalls als Kandidaten für das Podium zu nennen ist das Gelb-Schwarze Duo Wout van Aert [Visma | Lease a Bike] und Matteo Jorgenson [Visma | Lease a Bike]. Romain Gregoire [Groupama – FDJ United], Ben Healy [EF Education – EasyPost] und Richard Carapaz [EF Education – EasyPost] sowie Altmeister Julian Alaphilippe [Tudor] haben sich auch einiges vorgenommen. Und sogar mit Pogacars Teamkollegen Isaac del Toro [UAE – XRG] müssen wir rechnen. Sie alle haben an einem guten Tag Chancen auf die Top drei.
Tibor del Grosso könnte überraschen
Uns erwartet hinter Pogacar also ein spannender Fight ums Podium. Unser Dark Horse aber ist Tibor del Grosso [Alpecin – Premier Tech]. Den Niederländer hat niemand auf der Rechnung. Er ist Strade Bianche in seiner Karriere noch nie gefahren und er bestreitet hier auch tatsächlich sein erstes Saisonrennen. Über seine Verfassung und seine Ambitionen bei diesem Rennen wissen wir also nichts. Auf ihn zu spekulieren, kommt aber nicht von ungefähr. Der 1,90 m große 22-Jährige kommt vom Cyclocross, war aber immer schon parallel auch auf der Straße trainieren. Seine Radbeherrschung ist phänomenal und seine Stärken liegen nicht nur auf unbefestigten Straßen, sondern auch in giftigen Hügeln. Kurzum: Strade Bianche ist eigentlich genau sein Ding. Und da Mathieu van der Poel vermutlich nicht am Start steht, sollte seine Mannschaft auf ihn setzen.

Als Fabian Wegmann und Linus Gerdemann fast Strade Bianche gewonnen hätten
Die Siegerliste von Strade Bianche zeigt deutlich, wie sehr sich das Rennen entwickelt hat. Zu Beginn noch nicht zur WorldTour zählend, haben sich hier Fahrer wie Alexandr Kolobnev, Maxim Iglinsky und Moreno Moser in die Siegerliste eintragen dürfen. Keine schlechten Fahrer, aber sie zeigen doch deutlich auf, dass die Weltelite hier nur ab und an vorbeigeschaut hat. So wäre es Fabian Wegmann fast gelungen, Strade Bianche 2009 zu gewinnen. Der Deutsche fuhr im ersten Jahr Team Milram hinter Thomas Löfkvist auf Rang zwei. Sein Teamkollege Linus Gerdemann attackierte fünf Kilometer vor dem Ziel, ging aber hinauf zum Marktplatz von Siena völlig ein, so dass sein fast schon sicher geglaubter Sieg noch verhindert wurde. Das Podium komplettierte der Schweizer Martin Elmiger. Damals hieß das Rennen übrigens noch Monte Paschi Eroica.
| Strade Bianche Siegerliste: Die Top 3 seit der ersten Austragung im Jahr 2007 | |||
| Jahr | Sieger | Zweiter | Dritter |
| 2025 | POGAČAR Tadej | PIDCOCK Thomas | WELLENS Tim |
| 2024 | POGAČAR Tadej | SKUJIŅŠ Toms | VAN GILS Maxim |
| 2023 | PIDCOCK Thomas | MADOUAS Valentin | BENOOT Tiesj |
| 2022 | POGAČAR Tadej | VALVERDE Alejandro | ASGREEN Kasper |
| 2021 | VAN DER POEL Mathieu | ALAPHILIPPE Julian | BERNAL Egan |
| 2020 | VAN AERT Wout | FORMOLO Davide | SCHACHMANN Maximilian |
| 2019 | ALAPHILIPPE Julian | FUGLSANG Jakob | VAN AERT Wout |
| 2018 | BENOOT Tiesj | BARDET Romain | VAN AERT Wout |
| 2017 | KWIATKOWSKI Michał | VAN AVERMAET Greg | WELLENS Tim |
| 2016 | CANCELLARA Fabian | ŠTYBAR Zdeněk | BRAMBILLA Gianluca |
| 2015 | ŠTYBAR Zdeněk | VAN AVERMAET Greg | VALVERDE Alejandro |
| 2014 | KWIATKOWSKI Michał | SAGAN Peter | VALVERDE Alejandro |
| 2013 | MOSER Moreno | SAGAN Peter | NOCENTINI Rinaldo |
| 2012 | CANCELLARA Fabian | IGLINSKIY Maxim | GATTO Oscar |
| 2011 | GILBERT Philippe | BALLAN Alessandro | CUNEGO Damiano |
| 2010 | IGLINSKIY Maxim | LÖFKVIST Thomas | ROGERS Michael |
| 2009 | LÖFKVIST Thomas | WEGMANN Fabian | ELMIGER Martin |
| 2008 | CANCELLARA Fabian | BALLAN Alessandro | GERDEMANN Linus |
| 2007 | KOLOBNEV Alexandr | LJUNGQVIST Marcus | KHALILOV Mikhaylo |


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