Tirreno-Adriatico 2026: Auch bei der italienischen Fernfahrt zwischen den Meeren stehen nicht die klassischen Kletterer im Fokus. Stattdessen erwartet uns nach dem Auftakt-Zeitfahren ein kleines Schotter-Spektakel in San Gimignano. Sind die ersten beiden Tage bereits entscheidend für den Gesamtsieg?
-> Strade Bianche 2026 Vorschau.

Tirreno-Adriatico 2026: Ein zäher Puncheur holt sich den Gesamtsieg
Traditionell findet im März parallel zu Paris-Nizza die italienische Rundfahrt Tirreno-Adriatico statt. Das Etappenrennen zwischen den Meeren geht über sieben Tage und ist damit einen Tag kürzer als die Veranstaltung in Frankreich. Es ist aber nicht minder interessant, auch wenn hier die heftigen Berge umso mehr fehlen. Stattdessen stehen vom 9. bis 15. März die Zeitfahrer, Sprinter und Puncheure im Fokus.

Nach dem 11,5 Kilometer langen Einzelzeitfahren in Lido di Camaiore zum Auftakt dürfen wir im Laufe der Rundfahrt vermutlich mit einem klassischen Sprint (Etappe #7) und zwei Sprints aus einem sehr dezimierten Hauptfeld (Etappen #3 und #4) rechnen. Die drei verbliebenen Teilstücke sind für die Puncheure geeignet und entscheiden daher gemeinsam mit dem Kampf gegen die Uhr über den Gesamtsieg.
Entscheidet ein Schotterweg über Sieg und Niederlage?
Blicken wir auf die vergangenen sieben Jahre, haben hier bei Tirreno-Adriatico nur absolute Top-Bergfahrer den Gesamtsieg eingefahren. 2026 könnte dies anders sein. Lange Berge suchen wir nämlich vergeblich. Nach dem Zeitfahren könnte die Ankunft in San Gimignano schon der Scharfrichter sein. Denn das Finale ist absolut spektakulär. Kurz vor der mittelalterlichen Stadt in der Toskana wartet ein anspruchsvoller über fünf Kilometer langer Schotterweg, gefolgt von einer 15 % steilen Rampe ins Ziel. Zeitabstände sind hier vorprogrammiert, so dass das Klassement nach zwei Tagen bereits Struktur angenommen hat. Auf der fünften Etappe werden keine großen Zeitabstände erwartet, da der letzte Berg nur 4,2 Kilometer lang und im Durchschnitt 6,2 Prozent steil ist. Wer zuvor bereits überzeugt hat, wird sich hier kaum abhängen lassen. Die sechste und vorletzte Etappe könnte da schon eher für Abstände sorgen. Hier erwartet uns eine Mini-Bergankunft in Camerino mit einem Schlussanstieg von zwar nur 3,2 Kilometer Länge, dafür aber 8,9 Prozent im Durchschnitt. Dennoch: Die Vorentscheidung um den Gesamtsieg fällt vermutlich bereits an den ersten beiden Tagen.

Isaac del Toro ist der Tirreno-Adriatico 2026 Favorit
Noch ist die Startliste von Tirreno-Adriatico 2026 deutlich löchriger als die von Paris-Nizza. Viele Teams haben nur wenige Fahrer nominiert, manche sogar gar keine. Dennoch kristallisieren sich schon jetzt Favoriten heraus. Für das Auftaktzeitfahren müssen wir Filippo Ganna [Ineos Grenadiers] auf der Rechnung haben. In den Sprints ist stark mit Jonathan Milan [Lidl – Trek], Paul Magnier [Soudal Quick-Step], Arnaud de Lie [Lotto Intermarché] und Tobias Lund Andresen [Decathlon CMA CGM] zu rechnen. Omloop-Sieger Mathieu van der Poel [Alpecin – Premier Tech] wird sich genauso wie Wout van Aert [Visma | Lease a Bike] auf den Schotter-Abschnitt auf der zweiten Etappe freuen. Aber wer kämpft hier eigentlich um den Gesamtsieg? Als Tirreno-Adriatico 2026 Favoriten muss man Isaac del Toro [UAE – XRG] nennen. Der Mexikaner hat bei der UAE Tour gezeigt, wie stark er ist. Er kann gut Zeitfahren, hat kein Problem mit Gravel und die kurzen Anstiege sollten seiner Explosivität auch entgegenkommen.
Ben Healy könnte aufs Podium fahren
Herausgefordert wird Isaac del Toro [UAE – XRG] vor allem von Matteo Jorgenson [Visma | Lease a Bike], Primoz Roglic [Red Bull – Bora – hansgrohe] und Antonio Tiberi [Bahrain – Victorious]. Aber mit Ilan van Wilder [Soudal Quick-Step], Richard Carapaz [EF Education – EasyPost] und Egan Bernal [Ineos Grenadiers] stehen weitere namhafte Profis am Start, die in guter Form aufs Podium fahren könnten. Unser Dark Horse bei Tirreno-Adriatico 2026 ist aber Ben Healy [EF Education – EasyPost]. Der Ire gilt als guter Zeitfahrer. Als letztjähriger Vierter bei Strade Bianche hat er auch bewiesen, dass er Gravel-Passagen meistern kann. Und die Berge bzw. Hügel sind für ihn locker machbar. In Schwierigkeiten gerät er eigentlich nur bei richtig langen Gebirgspässen – die gibt es bei Tirreno-Adriatico 2026 nicht. Es ist gut möglich, dass er nach der zweiten Etappe die Kapitänsrolle seiner Mannschaft inne hat, da Teamkollege Carapaz sowohl im Zeitfahren, als auch auf Schotter, schwächer einzuschätzen ist.

Als Greg van Avermaet die Gesamtwertung bei Tirreno-Adriatico gewinnen konnte
2016 feierte Greg van Avermaet mit seinem Sieg bei Tirreno-Adriatico seinen größten Erfolg in der Gesamtwertung einer Rundfahrt. Der Belgier war bekannt für seine Qualität bei Eintagesrennen und hat es bei Mehretappenrennen eigentlich meist nur auf Tagessiege abgesehen. Doch 2016 konnte er auf Grund des einfachen Profils vor Peter Sagan und Bob Jungels den Gesamtsieg einfahren. Ähnlich könnte es auch bei Tirreno-Adriatico 2026 laufen, denn die harten Berge fehlen und die Etappenprofile erinnern eher an einen Klassiker-Parcours.
| Tirreno-Adriatico Siegerliste: Die Top 3 der vergangenen zehn Jahre | |||
|---|---|---|---|
| Jahr | Sieger | Zweiter | Dritter |
| 2025 | AYUSO Juan | GANNA Filippo | TIBERI Antonio |
| 2024 | VINGEGAARD Jonas | AYUSO Juan | HINDLEY Jai |
| 2023 | ROGLIČ Primož | ALMEIDA João | GEOGHEGAN HART Tao |
| 2022 | POGAČAR Tadej | VINGEGAARD Jonas | LANDA Mikel |
| 2021 | POGAČAR Tadej | VAN AERT Wout | LANDA Mikel |
| 2020 | YATES Simon | THOMAS Geraint | MAJKA Rafał |
| 2019 | ROGLIČ Primož | YATES Adam | FUGLSANG Jakob |
| 2018 | KWIATKOWSKI Michał | CARUSO Damiano | THOMAS Geraint |
| 2017 | QUINTANA Nairo | DENNIS Rohan | PINOT Thibaut |
| 2016 | VAN AVERMAET Greg | SAGAN Peter | JUNGELS Bob |
Tirreno-Adriatico 2026: Etappenprofile auf einen Blick









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