Nach 21 harten Etappen ist die Tour de France 2026 in Paris zu Ende gegangen. Zeit, das Geschehene Revue passieren zu lassen. Heute widmen wir uns den 6 großen Gewinnern dieser Frankreich-Ausgabe. Natürlich ist Remco Evenepoel mit dabei und auch Richard Carapaz darf nicht fehlen – aber es gibt mindestens eine Überraschung!
-> Darum wird die Tour de France immer schneller
Remco Evenepoel
Alter: 26
Nation: Belgien
Team: Red Bull – Bora – hansgrohe
GC-Rang: 2.
Etappensiege: 2
Remco Evenepoel lässt seine Kritiker verstummen
Nach seinem Wechsel zu Red Bull – Bora – hansgrohe haben viele Experten damit gerechnet, dass Remco Evenepoel den nächsten Schritt macht. Seine Saison fing gut an, kam dann jedoch arg ins Stocken. Er hat mehrfach in den Bergen nicht mit der Konkurrenz mithalten können – und die Konkurrenz war an diesen Tagen nicht die Weltelite. So wurde der hochtalentierte 26-jährige Belgier eigentlich für das GC der Tour de France abgeschrieben, auch von mir. Doch Remco Evenepoel hat es uns allen gezeigt. Er hat rund vier Kilogramm abgespeckt, ist direkt vor der Tour keine Rennen mehr gefahren und hat dann abgeliefert. Er gewann eine Bergankunft und das Zeitfahren und steht schlussendlich souverän auf dem zweiten Rang in der Gesamtwertung. Da bleibt nur zu sagen: Chapeau!
-> Evenepoel gewinnt Bergankunft vor Pogacar
Lenny Martinez
Alter: 23
Nation: Frankreich
Team: Bahrain – Victorious
GC-Rang: 5.
Etappensiege: 0
Lenny Martinez erobert Rang 5 statt um Bergpunkte zu fahren
Bei der vergangenen Tour de France habe ich Lenny Martinez unter die Top 5 in der Gesamtwertung getippt. Seine Performance aber war enttäuschend. Es wurde schon davon gesprochen, dass er ein Flop-Einkauf seiner Mannschaft Bahrain – Victorious sei. Nun hat er ein Jahr später gezeigt, dass er es eben doch kann. Eigentlich ist der 23-jährige Franzose in die Tour de France 2026 gestartet, um Bergpunkte zu sammeln und das Bergtrikot zu erobern. Da jedoch Teamkollege Antonio Tiberi – der eigentlich auf das GC fahren sollte – schwächelte, sprang Lenny Martinez ein. Mit seiner gewohnt beherzten Fahrweise eroberte er Rang fünf in der Gesamtwertung und gab diesen Platz nicht mehr ab. Dabei ist eine klare Weiterentwicklung festzustellen: Statt unkontrolliert und unüberlegt immer wieder zu attackieren, ist er in diesem Jahr etwas ruhiger, besonnener gefahren. Das hat sich ausgezahlt.
Mattias Skjelmose
Alter: 25
Nation: Dänemark
Team: Lidl – Trek
GC-Rang: 6.
Etappensiege: 0
Mattias Skjelmose gewinnt das teaminterne Duell gegen Juan Ayuso
Als der Wechsel von Juan Ayuso zum Team Lidl – Trek öffentlich gemacht wurde, äußerte sich Mattias Skjelmose wenig erfreut. In den Medien zweifelte er an, dass Juan Ayuso ihm als Helfer zur Seite stehen wird. Der Spanier hat darauf nicht öffentlich reagiert, wird sich aber sicher gedacht haben „Warum sollte ICH DIR helfen?“ Nun hat Juan Ayuso gesehen warum. Er hat nämlich das teaminterne Duell gegen den Dänen verloren. Während Ayuso vor allem in der dritten Woche sichtlich einbrach und auf Bergetappen chancenlos war, präsentierte sich Mattias Skjelmose in deutlich besserer Verfassung. Zwar sollte es am Ende auch nur zu Rang sechs reichen, aber allein die Genugtuung, den neuen Teamkollegen in die Schranken gewiesen zu haben, lässt ihn als Gewinner dastehen.
Richard Carapaz
Alter: 33
Nation: Ecuador
Team: EF Education – EasyPost
GC-Rang: 8.
Etappensiege: 2
Richard Carapaz gewinnt zwei Etappen und das Bergtrikot
Beim ersten Härtetest dieser Tour de France staunten die Zuschauer nicht schlecht: Richard Carapaz blieb hinauf nach Les Angles am Hinterrad von Jonas Vingegaard und bezwang Paul Seixas. Hoffnung keimte auf, dass der 33-Jährige ums Tour-Podium fahren könnte. Doch dann: die Ernüchterung. Richard Carapaz konnte den Favoriten auf den nächsten Bergetappen nicht mehr folgen und fiel in der Gesamtwertung zurück. Statt aufzugeben, raffte sich der Ecuadorianer auf und verfolgte drei Ziele parallel: Er gewann zwei Etappen, eroberte das Bergtrikot und fuhr dennoch auf Rang acht in der Gesamtwertung. Nennen wir die Gewinner der Tour de France 2026, darf Richard Carapaz keinesfalls fehlen. Er hat vielleicht nicht mehr das Zeug, um im GC aufs Podium zu fahren, aber dennoch ist er vor allem in der dritten Woche noch immer einer der besten Kletterer der Welt.
-> Carapaz gewinnt die Königsetappe
Yannis Voisard
Alter: 28
Nation: Schweiz
Team: Tudor
GC-Rang: 11.
Etappensiege: 0
Yannis Voisard erreicht mit 28 den Höhepunkt seiner Karriere
Als die Tour de France am 26. Juli in Paris zu Ende geht, feiert Yannis Voisard gleich doppelt. Der Schweizer wird an diesem Tag nämlich nicht nur 28 Jahre alt, sondern erreicht auch den Höhepunkt seiner Karriere. Mit Rang elf in der Gesamtwertung hat er alle Erwartungen übertroffen. Die Tour 2026 war erst seine zweite Grand Tour – und das mit jetzt 28 Jahren! Dass er auf GC fährt, war nicht unbedingt geplant. Eigentlich galt Michael Storer als Kapitän. Doch der kam überhaupt nicht in Tritt. Yannis Voisard sprang ein. Obwohl er bei keiner einzigen Etappe unter die ersten zehn gefahren ist, steht er am Ende auf Rang elf in der Gesamtwertung. Für ihn und sein Team Tudor ist das ein Riesenerfolg!
Nicolas Prodhomme
Alter: 29
Nation: Frankreich
Team: Decathlon CMA CGM
GC-Rang: 16.
Etappensiege: 0
Nicolas Prodhomme steigt zum Edelhelfer von Paul Seixas auf
Ja, Nicolas Prodhomme ist in der Gesamtwertung nur auf Rang 16 gefahren, hat keine Etappe gewonnen, kein Trikot erobert und war auch ansonsten relativ unsichtbar. Gerade deshalb aber gebührt ihm der größte Respekt. Denn der 29-jährige Franzose hat eine wahnsinnig starke Tour de France hinter sich gebracht. Vor allem in der zweiten und dritten Woche entpuppte er sich als Edelhelfer für Paul Seixas. Das Supertalent hatte einige sehr schwierige Momente zu überstehen. Immer an seiner Seite: Nicolas Prodhomme. Ein Grund für seine treuen Helferdienste könnten die Geschehnisse am 25. April 2025 sein. Damals setzte er sich gemeinsam mit Teamkollege Seixas bei der Tour of the Alps ab und der erst 19-Jährige überließ ihm den Sieg. Seitdem hat sich Prodhomme stark weiterentwickelt. Feierte noch im selben Jahr vier weitere Siege, einen davon sogar beim Giro d’Italia. Nun war Payback-Time. Und dabei hätte Nicolas Prodhomme auf eigene Freiheiten pochen können. Auf den letzten Bergetappen der Tour de France 2026 sah er so stark aus, dass ihm aus einer Fluchtgruppe heraus auch ein Tagessieg zuzutrauen gewesen wäre.


