Beppe Conti ist einer der bekanntesten italienischen Radsport-Journalisten. Besonders gerne lehnt er sich mit waghalsigen Prognosen weit aus dem Fenster. Wir haben seine mutigsten Vorhersagen vom 29. Januar und 5. Februar in seinem Format Indiscreto auf Rai Sport unter die Lupe genommen. Wir ordnen sie ein von wahrscheinlich bis unwahrscheinlich.
Wer ist Beppe Conti?
Er wurde in Turin geboren und begann mit 22 Jahren seine journalistische Karriere bei der Gazzetta dello Sport, bevor er zu einem der wichtigsten Radsportjournalisten bei Tuttosport und Bicisport wurde.
Als Experte für Radsportgeschichte veröffentlichte er zahlreiche Bücher, kommentiert regelmäßig Giro d’Italia und Tour de France und ist seit den frühen 2010er-Jahren fester Radsport-Experte bei den Rai-Übertragungen.
1) „Lidl – Trek möchte Filippo Ganna verpflichten“
Die Teams Lidl – Trek und Ineos Grenadiers befinden sich in einem relativ großen Umbruch. Während Lidl – Trek schon zu dieser Saison ordentlich aufgerüstet hat (Ayuso, Gee-West), steht der Mannschaft Ineos Grenadiers eine solche Veränderung womöglich bald bevor. Völlig unwahrscheinlich ist dann ein solcher Transfer nicht. Allerdings fühlt sich Filippo Ganna bei Ineos Grenadiers sehr wohl und er selbst hat sich bei Lidl – Trek noch nicht ins Spiel gebracht. Ein Abgang von Ganna – der auch 2027 noch Vertrag hat – wird stark davon abhängen, in welche Richtung sich das Team entwickeln möchte. Da Beppo Conti aber nur davon gesprochen hat, dass Lidl – Trek Ganna gerne verpflichten MÖCHTE und nicht verpflichten WIRD, geben wir dieser Prognose einen relativ hohen Wahrheitsgehalt.
-> Wahrscheinlichkeit: 95 %
2) „Evenepoel wird 2027 den Stundenweltrekord angreifen“
Es ist kein Geheimnis, dass Remco Evenepoel auf den Stundenweltrekord schielt. Der Belgier hat bereits öffentlich gesagt, dass ihn dieser Rekord interessiert. Mit seinem Wechsel zu Red Bull – Bora – hansgrohe steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er den Stundenweltrekord von Filippo Ganna bald angreifen wird. Denn der Hauptsponsor Red Bull ist an solchen Events immer sehr interessiert und Remco Evenepoel ist definitiv zuzutrauen, die Marke des Italieners zu pulverisieren. Auch Radsport-Legende Eddy Merckx hat kürzlich gesagt, dass Remco die 56,792 km überbieten wird.
-> Wahrscheinlichkeit: 85 %

3) „2029 wird es ein italienisches WorldTour-Team geben“
Bianchi, Molteni, Mapei, Saeco, Fassa Bortolo, Mercatone Uno, Liquigas, Lampre … die Liste der ehemaligen Radsport-Teams aus Italien ist lang. Doch seit das Team Lampre – Merida zum UAE Team Emirates geworden ist, müssen die Tifosi auf ein eigenes WorldTour-Team warten. Das ist nun genau zehn Jahre her. Die Sehnsucht in Italien ist also groß. Aktuell abzeichnen tut sich eine italienische Mannschaft auf höchstem Radsport-Niveau aber nicht. Unter den UCI ProTeams befinden sich mit Bardiani CSF 7 Saber, Solution Tech NIPPO Rali und Polti VisitMalta gleich drei italienische. Wirklich Ambitionen haben sie aber nicht angemeldet, die kommenden Jahre in Liga eins aufzusteigen. Bis 2029 vergehen aber noch drei Jahre und im Radsport kann es immer schnell gehen. Es ist daher durchaus möglich, dass sich bald wieder ein italienischer Sponsor finden lässt. Zumal mit Lorenzo Finn, Alessio Magagnotti und Co. durchaus vielversprechende junge Italiener nachkommen.
-> Wahrscheinlichkeit: 65 %
4) „Vingegaard hat sein Team darüber informiert, dass er 2027 zu Uno-X wechselt“
Die Gerüchteküche brodelt. Allen ist bekannt, dass das Team Uno-X Mobility nur norwegische und dänische Fahrer verpflichtet. Da liegt nahe, dass der beste Däne des Pelotons irgendwann für diese Mannschaft fahren wird. Unmöglich ist ein solcher Wechsel nicht. Aktuell aber ist er nicht realisierbar. Jonas Vingegaard hat bei seinem Team Visma | Lease a Bike noch einen Vertrag bis einschließlich 2028. Uno-X Mobility ist zwar nun in der WorldTour angekommen, hat aber bei weitem nicht das nötige Budget, sich einen zweifachen Toursieger zu leisten. Drei Dinge müssten also zusammenkommen: 1. Visma | Lease a Bike müsste bereit sein, Vingegaard vor Ablauf seines Vertrages abzugeben, 2. Vingegaard müsste schon 2027 zu Uno-X Mobility wechseln wollen und 3. Vingegaard müsste auf sehr viel Gehalt verzichten oder bei Uno-X Mobility steigt ein sehr finanzstarker Sponsor ein.
-> Wahrscheinlichkeit: 3 %
„Ich kann mir nicht vorstellen, für ein anderes Team zu fahren. Zunächst einmal habe ich … Ich kann mich nicht einmal erinnern, wie viele Jahre ich noch Vertrag habe … Aber wie auch immer, ich fahre hier schon so viele Jahre, dass ich mich nirgendwo anders sehen kann.“
Jonas Vingegaard
5) „Pogacar kommt zum Giro, um Vingegaard zu schlagen“
Jetzt wird es verrückt. Beppo Conti geht davon aus, dass Tadej Pogacar seinen Titel beim Giro d’Italia verteidigen möchte. Scheinbar denkt der italienische Journalist, dass Pogacar sich doch noch für den Giro registriert, weil er unbedingt Jonas Vingegaard schlagen möchte. Der Däne hat im Gegensatz zum Slowenen die Italien-Rundfahrt 2026 fest in seinen Rennplan mit aufgenommen. Pogacar selbst und sein UAE Team Emirates haben eine Teilnahme ausgeschlossen. Stattdessen wird der Portugiese Joao Almeida seine Chance erhalten, erstmals eine Grand Tour zu gewinnen. Wir wissen, dass Beppo Conti von früheren Radsport-Rivalitäten fasziniert ist. Zwischen Pogacar und Vingegaard gibt es eine solche allerdings nicht.
-> Wahrscheinlichkeit: 1 %


