Tadej Pogačar oder Eddy Merckx? Diese Frage beschäftigt nicht nur die beiden Fahrer selbst. Auch Experten und Fans diskutieren seit geraumer Zeit darüber, wer tatsächlich als bester Radprofi aller Zeiten gelten kann. Um dieser Frage näherzukommen, lohnt sich ein Blick auf die Aussagen der Protagonisten sowie auf ihre sportlichen Leistungen. Doch lässt sich überhaupt eindeutig beantworten, wer der Größte aller Zeiten ist?
Pogačar oder Merckx? Pogačar genervt, Merckx begeistert
Seit Monaten wird in der Radsportszene intensiv darüber diskutiert, welcher Fahrer den Titel des „Besten aller Zeiten“ verdient. Für viele kommen dabei nur zwei Namen infrage: Tadej Pogačar und Eddy Merckx. Der Belgier war von 1964 bis 1978 aktiv. Der Slowene fährt seit 2015 im Profibereich und hat mit aktuell 27 Jahren noch zahlreiche Karrierejahre vor sich. Dennoch wird er bereits jetzt mit Vergleichen zu Merckx konfrontiert. „Ich mag diese Vergleiche nicht. Es war cool, mit Eddy zu sprechen, aber niemand wird gerne ständig mit jemand anderem verglichen“, sagte Pogačar, nachdem er zum fünften Mal in Folge die Lombardei-Rundfahrt gewann. Als Pogačar im Jahr 2024 den Giro d’Italia, die Tour de France und die Weltmeisterschaft gewann, zeigte sich Merckx selbst tief beeindruckt: „Er ist der stärkste Fahrer seiner Generation. Wissen Sie, in meinem Alter braucht es schon einiges, um mich umzuhauen. Nun, Tadej hat es geschafft. Ich vermutete, dass er Weltmeister werden könnte, aber nicht in dieser Manier. Er ist wirklich der Allerbeste.“
Auch Ullrich und Roche zeigen sich beeindruckt
Nicht nur die beiden Hauptfiguren selbst werden mit dieser Debatte konfrontiert. Auch ehemalige Topfahrer äußern sich zur außergewöhnlichen Klasse des Slowenen. Jan Ullrich bezeichnete Pogačar als „Mega-Talent“, als „den Eddy Merckx unserer Zeit“. Besonders beeindrucke ihn die Leichtigkeit und Freude, mit der Pogačar trotz hoher Belastung an den Sport herangehe. Stephen Roche, neben Merckx lange Zeit der einzige Fahrer, dem das Triple aus Giro, Tour und Weltmeisterschaft in einem Jahr gelang, zeigte sich ebenfalls begeistert: „Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Man kann seine übermenschliche Leistung nicht beschreiben.“
Pogačar weicht Vergleichen geschickt aus
Neben seinen sportlichen Erfolgen beeindruckt Pogačar auch durch seine Haltung. Er stellt seine Dominanz nicht demonstrativ zur Schau und vermeidet es, sich über andere zu stellen. „Als Kind wusste ich nicht einmal, was ein Monument ist. Wir haben davon geträumt, irgendwann einmal bei der Tour de France zu starten. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich es so weit geschafft habe“, erklärte er. Auch direkte Vergleiche mit Merckx weist er bewusst zurück:
„Jeder ist auf seine Weise einzigartig. Vielleicht stehe ich mehr im Rampenlicht, weil ich viele Rennen gewinne. Aber jeder ist anders – und das ist gut so.“

Erfolgshunger und mentale Stärke als gemeinsame Grundlage
Im Spitzensport entscheiden nicht nur körperliche und taktische Fähigkeiten über Erfolg, sondern auch mentale Stärke. Während die Bedeutung von Mindset heute stärker im Fokus steht, war sie auch früher bereits ein entscheidender Faktor. Sowohl Pogačar als auch Merckx zeichnen sich durch außergewöhnlichen Ehrgeiz und mentale Robustheit aus. Beide nahmen ihre Rolle als dominierende Fahrer scheinbar mühelos an, blieben dabei jedoch stets bodenständig. Sie trainierten unermüdlich weiter, um auch den nächsten Sieg zu erringen. Diese Kombination aus Erfolgswillen und mentaler Stärke ist selbst im Profisport selten.
Leistungen verschiedener Generationen sind nur bedingt vergleichbar
Auf den ersten Blick scheint es einfach, die Leistungen zweier Fahrer zu vergleichen. Statistiken und Siege liefern scheinbar klare Fakten. Doch die Frage nach dem „Besten aller Zeiten“ geht über reine Zahlen hinaus. Wie wurden die Siege eingefahren? Wie stark war die Konkurrenz? Und in welchem Umfeld wurde die Leistung erbracht? Eddy Merckx war – nur Statistiken betrachtet – zweifellos der erfolgreichere Fahrer. Doch bedeutet mehr Erfolg automatisch auch größere sportliche Klasse?
"He wouldn’t drop me!" 👀
— Cycling on TNT Sports (@cyclingontnt) November 9, 2025
Roger De Vlaeminck wades into the Merckx vs. Pogačar comparisons 🤔 pic.twitter.com/UGpeT7Iolj
Erfolgreicher vs. besser – eine Grundsatzdebatte
In nahezu jeder Sportart stellt sich die Frage nach dem „GOAT“ – dem Greatest Of All Time. Im Tennis galt lange Jimmy Connors als Maßstab, bis Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic neue Maßstäbe setzten. Im Fußball wird Lionel Messi mit Cristiano Ronaldo verglichen, während frühere Größen wie Diego Maradona nicht vergessen werden dürfen. Auch im Radsport stellt sich die Frage, ob es für Merckx in seiner Zeit einfacher war, Erfolge zu erzielen als für Pogačar heute. Angesichts der heutigen Leistungsdichte, Professionalität und globalen Konkurrenz lässt sich argumentieren, dass moderne Fahrer unter anspruchsvolleren Bedingungen bestehen müssen.
Pogačar fährt in einem deutlich anspruchsvolleren Umfeld
Der ehemalige Profi Michael Woods erklärte gegenüber Cycling Weekly: „Ich habe keine Zweifel, dass Pogačar der beste Fahrer ist, der je gelebt hat. Merckx ist zu einer Zeit gefahren, als es auf der Welt nur vier Milliarden Menschen gab. Nur vier Länder waren wirklich gut darin und einige der Fahrer, gegen die er antrat, hatten noch ganz normale Jobs. Dass Pogačar heute auf diesem Niveau fährt – bei der heutigen Leistungsdichte – ist deutlich überlegen, deutlich überlegen.“ Diese Entwicklung ist eine logische Folge der Professionalisierung des Sports und kann Merckx nicht negativ ausgelegt werden. Doch wenn es um die Bewertung des „Besten aller Zeiten“ geht, müssen solche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Was bedeutet es überhaupt, der „Beste“ zu sein?
Lassen sich Lionel Messi und Diego Maradona wirklich vergleichen? Roger Federer und Jimmy Connors? Michael Jordan und LeBron James? Objektiv vergleichen lassen sich lediglich Zahlen und Titel. Die Bewertung der sportlichen Qualität bleibt subjektiv. In vielen Fällen wird die Leistung aktueller Generationen höher eingeschätzt, da Training, Ernährung, Technik und Sportwissenschaft enorme Fortschritte gemacht haben. Ein direkter Leistungsvergleich wäre nur dann sinnvoll, wenn man Athleten vergangener Generationen mit den heutigen Möglichkeiten betrachten könnte – was unmöglich ist. Deshalb wird die Debatte wohl auch in Zukunft weitergeführt. Und selbst in 50 Jahren wird erneut darüber diskutiert werden, wer der Beste aller Zeiten war – nur mit neuen Namen.
| Merckx oder Pogacar? Ein statistischer Vergleich | ||
| Rennen | Eddy Merckx | Tadej Pogacar |
| Giro d’Italia Gesamtsiege | 5 | 1 |
| Giro d’Italia Etappensiege | 24 | 6 |
| Tour de France Gesamtsiege | 5 | 4 |
| Tour de France Etappensiege | 34 | 21 |
| Vuelta a Espana Gesamtsiege | 1 | 0 |
| Vuelta a Espana Etappensiege | 6 | 3 |
| Mailand-Sanremo | 7 | 0 |
| Ronde van Vlaanderen | 2 | 2 |
| Paris-Roubaix | 3 | 0 |
| Lüttich-Bastogne-Lüttich | 5 | 3 |
| Lombardei-Rundfahrt | 2 | 5 |
| Weltmeisterschaft | 3 | 2 |
| Fleche Wallonne | 3 | 2 |
| Amstel Gold Race | 2 | 1 |
| Omloop Nieuwsblad | 2 | 0 |
| Gent-Wevelgem | 3 | 0 |
| Paris-Nizza | 3 | 1 |
| Tour de Romandie | 1 | 0 |
| Critérium du Dauphiné Libéré | 1 | 1 |
| Volta Ciclista a Catalunya | 1 | 1 |
| Tour de Suisse | 1 | 0 |
Tadej Pogacar, Eddy Merckx, or someone else? 👀
— Cycling on TNT Sports (@cyclingontnt) November 10, 2025
The peloton name their cycling goat 🐐 pic.twitter.com/WQfkjVXj1V


1 Gedanken zu „Merckx oder Pogačar – Wer ist der beste Radprofi aller Zeiten?“