Er ist erst 19 Jahre alt und trägt die ganze Hoffnung der Franzosen und der gesamten Radsportwelt auf seinen Schultern. Das Toptalent Paul Seixas beeindruckt die Szene. Spätestens gestern, als er bei Lüttich-Bastogne-Lüttich auf Rang zwei fuhr und der einzige war, der Tadej Pogacar folgen konnte, hat die Rivalität zwischen Seixas und Pogacar begonnen.
Die Pogacar/Seixas-Rivalität wird den Radsport prägen
Ja, es ist richtig, dass wir nicht vorschnell mit Superlativen um uns werfen sollten. Es stimmt auch, dass wir von Paul Seixas noch nicht viele Rennen gesehen haben. Es ist aber auch wahr, dass dieser 19-Jährige in diesen wenigen Rennen gezeigt hat, dass er der einzige ist, der Tadej Pogacar stoppen kann. Wir haben bei Strade Bianche und bei Lüttich-Bastogne-Lüttich bewundern dürfen, wie stark dieser Franzose bereits ist. Er erinnert uns an Tadej Pogacar und genau deshalb kann nur er den Slowenen künftig ernsthaft herausfordern. Seine Qualitäten bei giftigen Anstiegen sind beeindruckend, seine Leistung in Zeitfahren fast unglaublich. Auch bei langen Anstiegen wird er seine Fans nicht enttäuschen. Paul Seixas ist ein Komplettpaket, wie es in den letzten 20 Jahren – abgesehen von Tadej Pogacar – im Straßenradsport nicht vorgekommen ist. Die Rivalität zwischen Pogacar und Seixas wird uns in den kommenden Jahren begleiten – und wir dürfen uns darauf freuen.
| Datum | Rennen | Pogacar | Seixas |
|---|---|---|---|
| 26.04.26 | Liège – Bastogne – Liège | 1. | 2. |
| 07.03.26 | Strade Bianche | 1. | 2. |
| 11.10.25 | Il Lombardia | 1. | 7. |
| 05.10.25 | European Championships (Drôme et Ardèche) R.R. | 1. | 3. |
| 28.09.25 | World Championships (Kigali) R.R. | 1. | 13. |
| 21.09.25 | World Championships (Kigali) I.T.T. | 4. | 16. |
| 15.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 8 : Val-d’Arc – Plateau de Mont-Cenis | 3. | 13. |
| 15.06.25 | Critérium du Dauphiné | 1. | 8. |
| 14.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 7 : Grand-Algueblanche – Valmeinier 1800 | 1. | 11. |
| 13.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 6 : Valserhône – Combloux | 1. | 10. |
| 12.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 5 : Saint-Priest -Mâcon | 22. | 69. |
| 11.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 4 : Charmes-sur-Rhône – Saint-Péray I.T.T. | 4. | 10. |
| 10.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 3 : Brioude – Charantonnay | 44. | 25. |
| 09.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 2 : Prémilhat – Issoire | 40. | 69. |
| 08.06.25 | Critérium du Dauphiné, Etappe 1 : Domérat – Montluçon | 1. | 60. |
| 21.02.25 | UAE Tour, Etappe 5 : Dubai – Dubai | 36. | 103. |
| 20.02.25 | UAE Tour, Etappe 4 : Fujairah – Umm al Quwain | 46. | 66. |
| 19.02.25 | UAE Tour, Etappe 3 : Ras al Khaimah – Jebel Jais | 1. | 10. |
| 18.02.25 | UAE Tour, Etappe 2 : Al Hudayriyat – Al Hudayriyat I.T.T. | 3. | 31. |
| 17.02.25 | UAE Tour, Etappe 1 : Madinat Zayed – Liwa | 10. | 26. |
Jetzt nimmt das Duell Fahrt auf
Der 17. Februar 2025 könnte in die Radsportgeschichte eingehen. Bei der ersten Etappe der UAE Tour sind Tadej Pogacar und Paul Seixas erstmals aufeinandergetroffen. Das Duell verlief unspektakulär, da das Teilstück im Massensprint endete. Als zwei Tage später die Bergankunft auf dem Jebel Jais auf dem Programm stand, sprach niemand von Paul Seixas. Der Franzose wurde Zehnter, galt als 18-Jähriger aber auch bestenfalls als Talent und keinesfalls als Kandidat für den Gesamtsieg. Tadej Pogacar gewann die Etappe und die Rundfahrt. Wenige Wochen später sahen sich die beiden wieder. Beim Critérium du Dauphiné war der Slowene erneut siegreich. Paul Seixas fuhr auf Gesamtrang acht – spätestens hier war allen klar: Dieser Mann wird ein ganz Großer. Auch bei der Lombardei-Rundfahrt hat es noch nicht für ein Duell gerecht. Da Seixas aber im Winter gut trainiert und einen enormen Leistungssprung vollzogen hat, war es dann beim ersten Aufeinandertreffen im Jahr 2026 erstmals so weit. Bei Strade Bianche ließ sich Paul Seixas nur schwer abschütteln, wurde hinter Tadej Pogacar Zweiter.
„Wir werden hart daran arbeiten müssen, in den nächsten Jahren so viel wie möglich zu gewinnen, bis er alle zerstört.“
Tadej Pogacar über Paul Seixas
Die Leistung der beiden bei Lüttich-Bastogne-Lüttich war historisch
Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich kam es zum großen Duell. Remco Evenepoel wollte davon vor dem Rennen allerdings nichts wissen. Der Belgier äußerte seine Zweifel, ob Paul Seixas mit ihm und Tadej Pogacar wird mithalten können. Schlussendlich war aber er derjenige, der nicht mithielt. Seixas blieb an Pogacars Hinterrad, als der an der La Redoute antrat. 3:49 Minuten benötigten die beiden für den legendären Anstieg. Während Paul Seixas damit 8,72 W/kg trat, war Tadej Pogacar mit 8,93 W/kg unterwegs. Unglaubliche Zahlen, wenn man bedenkt, wie schnell das Rennen zuvor gefahren wurde. Experten sind der Meinung, dass Pogacar absolut am Limit war, aber Seixas konnte folgen. Erst an der Côte de la Roche-aux-Faucons – dem letzten Hügel des Rennens – konnte sich der Weltmeister lösen. Danach war er voll des Lobes für seinen Kontrahenten und kündigte die Seixas-Ära an: „Wir werden hart daran arbeiten müssen, in den nächsten Jahren so viel wie möglich zu gewinnen, bis er alle zerstört.“
Schon bei der Tour de France 2026 könnte es zum großen Showdown kommen
Die gesamte Radsportwelt wartet jetzt darauf, dass die Mannschaft Decathlon CMA CGM den Tourstart von Paul Seixas bekanntgibt. Stand heute ist nämlich offiziell noch nichts dergleichen veröffentlicht worden. Es heißt, sie wollen ihren jungen Superstar nicht verheizen. Sie würden noch nicht wissen, ob er schon soweit ist, all die Last auf seinen Schultern zu tragen. Doch wir fragen uns: Wenn dieser Paul Seixas nicht bereit dafür ist, wer dann? Selbst wenn man ihn bei der Tour de France 2026 nicht an den Start schicken sollte, dann wird man es 2027 tun. Kleiner wird der Druck für ihn dann auch nicht sein – im Gegenteil. Die Erwartungshaltung der Franzosen wird ins schier unermessliche ansteigen. Dabei gilt aber, dass ihm kaum jemand böse sein dürfte, wenn er hinter Tadej Pogacar Gesamtzweiter werden würde. Selbst Rang drei wäre für die französischen Fans ein Riesenerfolg. Paul Seixas ist noch jung und wird seine Rundfahrten gewinnen. Aber die Fans wollen nicht warten. Sie wollen nicht auf das Duell gegen den Weltmeister verzichten. Wir alle wollen es sehen. Und deshalb wird es dazu kommen. Das Team Decathlon CMA CGM kann es sich nicht leisten, auf Seixas bei der Tour 26 zu verzichten.
Pogacar hat in Seixas endlich einen (bald ebenbürtigen) Gegner gefunden
Blicken wir auf das Gesicht von Tadej Pogacar, als er auf dem Treppchen seinen Sieg in Lüttich gefeiert hat, sehen wir ihn freudestrahlend. Man wird den Eindruck nicht los, dass sich der Weltmeister über seinen neuen Kontrahenten freut. Im Hochgebirge hat er schon lange keine Gegner mehr und bei hügeligen Eintagesrennen hält bestenfalls Mathieu van der Poel mit. Werden die Berge aber etwas länger, hat er keine Gegner. Über Pogacar wissen wir, dass er Radrennen fährt, weil sie ihm Spaß bereiten. Er fährt nicht nur, weil er Erfolge einfahren will, sondern weil er das pure Racing liebt. Zu einem Rennen gehören auch Gegner und zu einem sportlichen Wettbewerb gehört die Unsicherheit, ob man am Ende gewinnen wird oder nicht. Das ist Pogacar zuletzt abhanden gekommen – kein Wunder bei seinen souveränen und dominanten Vorstellungen. Jetzt hat er endlich wieder einen Gegner. Und der ist jünger, talentiert und verdammt hungrig.


