184 Fahrer aus 31 Nationen nehmen den Giro d’Italia 2026 am Freitag in Angriff. Mit dabei sind acht Starter aus Deutschland, fünf aus der Schweiz und drei aus Österreich. Welche Aufgaben haben sie und wer könnte für eine Überraschung sorgen?
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Nationen mit mindestens zwei Giro-Startern
Anzahl der Starter pro Land
Giro d’Italia 2026: Aus Bulgarien steht kein Fahrer am Start
Das Diagramm zu den Giro-Startern 2026 zeigt eine klare Dominanz der großen Radsportnationen: Vor allem Italien sticht mit großem Abstand heraus, gefolgt von Ländern wie den Niederlanden und Belgien, die traditionell stark im Peloton vertreten sind. Dahinter zeigt sich ein breites Mittelfeld, in dem auch Deutschland, die Schweiz und Österreich eine solide Rolle spielen. Auffällig ist zudem die große Vielfalt an Nationen, denn insgesamt gehen Fahrer aus 31 Ländern an den Start. Gleichzeitig gibt es auch einige Exoten mit nur einem Starter: Estland, Chile, Usbekistan, Kroatien, Venezuela, Malta, Uruguay, die Slowakei, Eritrea, Südafrika und Russland. Besonders interessant: Obwohl der Giro 2026 in Bulgarien beginnt, steht kein einziger bulgarischer Fahrer am Start.
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Deutsche Fahrer beim Giro d’Italia 2026
Hat Deutschland Siegchancen mit Ackermann und Stork?
Tim Torn Teutenberg bestreitet seine erste Grand Tour und wird gemeinsam mit Teamkollege Max Walscheid, der schon zum dritten Mal in Italien dabei ist, für Kapitän Jonathan Milan arbeiten. Damit spielen sie eine enorm wichtige Rolle, denn Lidl – Trek schielt mit Derek Gee-West zwar auch auf die Gesamtwertung, aber Etappensiege mit ihrem italienischen Sprintstar haben Priorität. Noch unklar ist, ob Max Walscheid seinen Kapitän als letzter Anfahrer auf die letzten 200 Meter führen wird, ober ob der Italiener Simone Consonni diese Aufgabe erfüllt. Im Laufe der Saison wurden beide Varianten erfolgreich getestet.
Jonas Rutsch war bereits 3x bei der Tour de France, startet aber nun in seinen ersten Giro d’Italia. Auch er wird für seinen Sprint-Kapitän Arnaud de Lie arbeiten, allerdings in einer völlig anderen Rolle. Der 28-Jährige wird die Ausreißer jagen und dafür sorgen, dass De Lie in eine gute Position kommt. Geht es in die letzten Kilometer, ist seine Arbeit erledigt. Für die direkte Sprintanfahrt ist der Belgier Milan Menten zuständig. Felix Engelhardt hat schon drei Grand Tours in den Beinen, davon einen Giro. Er muss sich auf Flachetappen nicht um Teamkollege und Landsmann Pascal Ackermann kümmern. Er darf in den Bergen für Ben O’Connor arbeiten und erhält vielleicht auf einem hügeligen Teilstück selbst freie Fahrt. Pascal Ackermann hingegen ist der Sprint-Kapitän seiner Mannschaft Jayco AlUla und ist damit die vermutlich größte Siegchance der Deutschen. „Ackes“ hat jede Grand Tour schon 2x bestritten. Er gewann zwei Etappen bei der Vuelta, drei beim Giro d’Italia.
Ein ebenfalls alter Hase beim Giro d’Italia ist Nico Denz. Der 32-Jährige war schon 7x mit dabei – und das äußerst erfolgreich. Insgesamt durfte er sich schon über drei eigene Etappensiege freuen und das obwohl er kein Sprinter und kein Bergfahrer ist. Denz war immer über Fluchtgruppen erfolgreich. Außerdem stand er auch 2022 im Aufgebot, als seine Mannschaft mit Jai Hindley die Gesamtwertung gewann. In diesem Jahr soll er dabei helfen, dass Giulio Pellizzari das Podium erreicht. Gleiches gilt für Ben Zwiehoff, wobei er eher in den Bergen für seinen Kapitän da sein muss. Während Hindley und Vlasov bis zum Finale an der Seite von Pellizzari bleiben sollen, ist Zwiehoff für den early support zuständig. Er bestritt bereits 2x die Vuelta und 1x den Giro, war aber noch nie bei der Tour.
Florian Stork ist für Tudor das „Mädchen für alles“. Seine Qualitäten sind vielseitig, weshalb er nicht nur als Helfer von Michael Storer eingesetzt wird. Bei der Tour of the Alps hat er sich mehrfach an den Sprints um den Tagessieg beteiligt. Das Peloton war nach einer anspruchsvollen und welligen Etappe stark dezimiert. Das sind Situationen, in denen sein Schweizer Team auf ihn setzen könnte. Auch beim Giro d’Italia könnte es daher sein, dass wir ihn auf einigen welligen Etappen sprinten sehen – oder sogar in einer Gruppe. Seine Mannschaft sollte ihm dafür Freiheiten schenken. Er bestritt bislang 3x den Giro, noch nie eine andere Grand Tour.
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Schweizer Fahrer beim Giro d’Italia 2026
Wie viele Schweizer erhalten Freifahrtscheine beim Giro d’Italia 2026?
Zwei Schweizer finden sich im Giro-Aufgebot von Tudor wieder und sind damit die Teamkollegen des Deutschen Florian Stork. Robin Froidevaux hat seine Stärken im flachen und leicht welligen Bereich, wird aber seine Helferdienste vor Florian Stork erledigen und vermutlich auch weniger eigene Freiheit genießen. Er ist sowohl wertvoll für die Vorbereitung eines Sprints, als auch für das Hineinführen in einen Berg. Er bestreitet seinen zweiten Giro d’Italia, während Landsmann Fabian Lienhard schon zum dritten Mal mit dabei ist. Er dürfte der letzte Mann vor dem italienischen Sprinter Luca Mozzato sein. Es ist aber davon auszugehen, dass Tudor keinen eigenen Sprintzug baut, sondern Mozzato am Hinterrad eines Gegners abliefert.
Johan Jacobs hat eine Vuelta in den Beinen, stand aber noch nie beim Giro oder der Tour am Start. Seine Mannschaft Groupama – FDJ hat keinen echten Leader nominiert und wird vermutlich einfach auf Etappenjagd gehen. Johan Jacobs ist der richtige Mann für leicht anspruchsvolle Profile. Ist es zu flach, wird er wohl für Sprinter Paul Penhoët arbeiten. Ist es zu bergig, wird er sich raushalten. Auch Fabio Christen dürfte in seinem Team Pinarello Q36.5 Freiheiten bekommen. Auf Flachetappen wird für Matteo Moschetti gefahren, aber Fabio Christen ist hierfür nicht zuständig. Seine Stärke zeigt sich auf leicht hügeligen Etappen, die für die Klassementfahrer zu leicht und für die Sprinter zu schwer sind. Es ist fest davon auszugehen, dass wir ihn bei seinem ersten Giro genau auf diesen Etappen in Fluchtgruppen sehen.
Der Star der Schweizer ist Bruder Jan Christen. Der 21-Jährige galt vor vielen Jahren als Megatalent, hat die Erwartungen bis heute aber noch nicht wirklich erfüllt. Denn noch immer ist unklar, ob er sich zu einem GC-Fahrer entwickeln kann, oder ob er ein einfacher Hügel-Spezialist bleibt. Eigentlich hätte er als Helfer für Joao Almeida fungieren sollen. Da der Portugiese seinen Start abgesagt hat, könnten jetzt seine Teamkollegen Jay Vine und Adam Yates in die Leaderrolle schlüpfen. Aber auch für Jan Christen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Sein Giro könnte in drei Richtungen verlaufen. (1) Er dient seinem neuen Kapitän als einfacher Helfer. (2) Er fährt selbst auf ein gutes Ergebnis in der Gesamtwertung, um zu testen, ob er in diesem Bereich tatsächlich noch Potential hat. (3) Er geht auf hügeligen Teilstücken auf Etappenjagd. Seine Personalie ist daher die spannendste aller Schweizer. Ein Etappensieg von Jan Christen ist nicht unwahrscheinlich, obwohl dies seine erste Grand Tour ist.
Österreichische Fahrer beim Giro d’Italia 2026
Mit Felix Gall will Österreich aufs Giro-Podium
Auch wenn die Österreicher nur zu dritt sind, schicken sie mit Felix Gall einen Mitfavoriten auf das Podium an den Start. Er darf von seinem Decathlon CMA CGM Team die volle Unterstützung erwarten. Zwar teilt er sich die Leaderrolle mit Sprinter Tobias Lund Andresen, aber der Däne wird die Hilfe der Mannschaft nur auf flachen und leicht hügeligen Teilstücken benötigen. Wird es bergig, stehen alle Fahrer bereit, um Felix Gall zu unterstützen. Der 28-Jährige hat sechs Grand Tours in den Beinen und war bereits 1x beim Giro. Seine größten Erfolge aber feierte er bei der Tour de France mit einem Etappensieg und Rang fünf in der Gesamtwertung. Selbiges soll es auch beim Giro d’Italia 2026 werden – mindestens. Er selbst peilt nämlich sogar das Podium an. Teamkollege und Landsmann Gregor Mühlberger soll ihm dabei helfen. Mit elf Grand-Tour-Starts kann er mit Erfahrung dienen, aber auch mit Qualitäten in den Bergen. Der 32-Jährige hat zwar zuletzt abgebaut, wird aber zur Stelle sein, um Gall in den letzten Berg hineinzufahren. Danach wird Gall vermutlich auf sich allein gestellt sein, da seine Mannschaft keinen Top-Berghelfer nominiert hat. Diese kommen wohl bei der Tour de France für Paul Seixas zum Einsatz.
Tobias Bayer war 2022 und 2024 in Italien dabei. Dort verhalf er Mathieu van der Poel zu Etappensiegen und unterstützte die Sprinter Jakub Mareczko und Kaden Groves. Durch seine unauffällige Fahrweise steht er nie im Fokus. Er ist nicht der Mann für die letzten Meter, soll aber dafür sorgen, dass der Kapitän auf den letzten Metern glänzen kann. In diesem Jahr wird er erneut für Kaden Groves arbeiten, dem auch im Vorjahr ein Etappensieg gelang. Auf eigene Rechnung wird Tobias Bayer nicht fahren dürfen, aber das ist ohnehin nicht seine Welt.
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