Im Fokus des Giro d’Italia 2026 stehen die Topstars wie Jonas Vingegaard oder Jonathan Milan. Für die Radsport-Freaks unter euch lohnt sich aber auch ein Blick in die zweite, dritte oder gar vierte Reihe einer Mannschaft. Sie werden vermutlich kaum erwähnt, sind fast nicht sichtbar und werden keine Etappe gewinnen – aber es lohnt sich trotzdem, sie zu beobachten.
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-> Giro d’Italia 2026: Mein Tipp für die Top Ten.
Viele Talente starten beim Giro d’Italia 2026
Bei 23 startberechtigten Teams zählen wir insgesamt 184 Fahrer, die beim Giro d’Italia 2026 mit dabei sind. Viele Teams setzen ihre besten Leute bei der Tour de France ein oder haben sie für die Klassiker im März und April nominiert. Daher bekommen wir – wie jedes Jahr – beim Giro d’Italia nicht wenige spannende Talente zu Gesicht. Sie sind stark genug, um eine dreiwöchige Rundfahrt zu bestreiten, aber sind sie auch stark genug, um einen positiven Einfluss auf ihre Mannschaft zu nehmen? Ich stelle euch nachfolgend fünf interessante Profis vor, die unter dem Radar fliegen und garantiert bei keiner Favoriten- oder Bestenliste auftauchen. Sie sind zwischen 20 und 23 Jahre alt – außer einer, der ist bereits 30.
-> Das sind die Giro-Starter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Alec Segaert kann Klassiker – was zeigt er uns beim Giro?
Alec Segaert
Alter: 23
Nation: Belgien
Team: Bahrain – Victorious
Fahrertyp: Klassikerjäger, Ebenenbolzer, Ausreißer
Es war beeindruckend, wie Alec Segaert beim Grand Prix de Denain mit seinem Gegenspieler Per Strand Hagenes Katz und Maus gespielt hat. Wenige Kilometer vor dem Ziel ließ er den Norweger eine Lücke reißen, fuhr nur wenige Meter hinter ihm her, um ihn am kurzen Arm verhungern zu lassen. Dann beschleunigte er und zog davon. Das Peloton – welches ihn am Tag zuvor bei Nokere Koerse nur wenige Meter vor der Ziellinie stellte – konnte ihn diesmal nicht mehr einfangen. Nicht die Tatsache, DASS er gewonnen hat, war so beeindruckend, sondern WIE. Ähnlich starke Vorstellungen bot er uns bei weiteren Eintagesrennen in diesem Frühjahr. Es ist klar: Dieser Fahrer hat einen großen Motor. Die Frage ist nur: Wie stark kann er bei einer Grand Tour performen? Da er mit Santiago Buitrago einen Klassementfahrer in seinem Team hat, wird er hauptsächlich für ihn da sein müssen. Es kann aber gut sein, dass er seine Freiheiten erhält. Bei klassikerähnlichen Profilen – also leicht hügeligen Etappen – sollten wir die Augen nach ihm offen halten.
-> Die Prognose für die 1. Etappe des Giro d’Italia 2026.
Markel Beloki: Wie gut ist der Sohn des legendären Joseba Beloki?
Markel Beloki
Alter: 20
Nation: Spanien
Team: EF Education – EasyPost
Fahrertyp: Kletterer
Wenn Söhne in die Fußstapfen ihrer Väter treten müssen, ist das selten gut gelaufen – vor allem im Profiradsport. Auch Markel Beloki hat einen prominenten Vater. Joseba Beloki – mittlerweile 52 Jahre alt – bestritt in seiner Karriere elf Grand Tours und wurde vor allem als Kontrahent von Lance Armstrong und Jan Ullrich bekannt. 2002 wurde der starke Bergfahrer Tourzweiter. Sein Sohn Markel ist jetzt 20 Jahre alt und ebenfalls Profi. Er gewann im Vorjahr die Tour Alsace und bestritt mit der Vuelta a Espana seine erste Grand Tour. Dort gelang es ihm auf Anhieb, auf einer Etappe 2x unter die Top Ten zu fahren. Jetzt steht er erstmals beim Giro d’Italia am Start und wird auf Grund des eher schwachen Aufgebots seiner Mannschaft garantiert attackieren dürfen. Dass er sich gut entwickelt, haben wir bei der Baskenland-Rundfahrt gesehen. Hier fuhr er vor wenigen Wochen auf Rang 13 in der Gesamtwertung.
Alessandro Pinarello: Kann er schon auf Gesamtklassement fahren?
Alessandro Pinarello
Alter: 22
Nation: Italien
Team: NSN Cycling Team
Fahrertyp: Kletterer, Klassementfahrer
Noch weiter in der Entwicklung scheint Alessandro Pinarello zu sein. Der Italiener ist aber auch zwei Jahre älter. Er kletterte bei Tirreno – Adriatico auf Rang zehn und bei O Gran Camino sogar auf Platz drei. In seiner Mannschaft NSN dürfte er beim Giro d’Italia 2026 der stärkste Bergfahrer sein, weil das Team insgesamt eher auf Sprinterfolge fokussiert ist. Auf Grund seiner Schwäche im Zeitfahren und seiner geringen Erfahrung ist ihm aber zu wünschen, dass ihn sein Team nicht auf GC fahren lässt, sondern ihm die Chance auf Fluchtgruppen eröffnet Ist er gut in Form, könnte er sogar das Bergtrikot anpeilen.
Andrea Raccagni Noviero könnte seine Freiheiten erhalten
Andrea Raccagni Noviero
Alter: 22
Nation: Italien
Team: Soudal Quick-Step
Fahrertyp: Puncheur
Ein weiterer spannender, junger Italiener ist Andrea Raccagni Noviero. Der 22-Jährige ist aber weniger der Kletterer und mehr der Puncheur. Wenn die Berge zu lang sind, fühlt er sich mit seiner Körpergröße von 1,85 m unwohl. Kurze Anstiege sind sein Metier. Das hat er bereits bei der Tour Down Under gezeigt, als er zu Beginn der Saison auf Platz sechs in der Gesamtwertung fuhr. Für ihn ist der Giro d’Italia seine erste Grand Tour. Da Soudal Quick-Step in den Bergen bzw. auf hügeligem Terrain neben Filippo Zana keinen weiteren guten Kletterer nominiert hat, könnte Andrea Raccagni Noviero seine Freiheiten bekommen.
Alan Hatherly: „Alt“, aber unerfahren – überrascht er uns alle?
Alan Hatherly
Alter: 30
Nation: Südafrika
Team: Jayco AlUla
Fahrertyp: Puncheur, Zeitfahrer
Nach vier jungen Talenten haben wir zum Abschluss noch einen Oldie im Angebot. Alan Hatherly ist bereits 30 Jahre alt, aber im Straßenradsport unbekannt. Der Südafrikaner begann erst im Jahr 2023 mit seiner Karriere auf dem Asphalt und wird beim Giro d’Italia 2026 seine erste Grand Tour bestreiten. Ursprünglich war er als Mountainbiker im Cross-Country aktiv. 2019 krönte er sich zum Weltmeister auf dem E-Mountainbike und 2024 im Cross-Country XCO. Erste Erfahrungen im Straßenradsport sammelte er 2023 im EF Education-NIPPO Development Team und 2024 bei Cannondale Factory Racing. Zur Saison 2025 sicherte sich die australische Mannschaft Jayco AlUla seine Dienste, wo er prompt andeutete, dass er im Straßenradsport sofort Fuß fassen kann. Beim Giro d’Italia 2026 kann er ohne Druck in seine erste Grand Tour starten. In erster Linie fährt die Mannschaft in der Gesamtwertung für Ben O’Connor und in den Sprints für Pascal Ackermann. Hatherly kann als Helfer überzeugen oder – falls er Freiheiten bekommt – wird er auf hügeligen Mittelgebirgsetappen in die Fluchtgruppen gehen.
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