Das Team Picnic PostNL nimmt auch am Giro d’Italia teil. Ganz nach dem Motto „dabei sein ist alles“ haben wir von den Niederländern aber bislang noch gar nichts gesehen. Die beste Platzierung nach drei Etappen – Platz 15! Wir fragen uns: Wie soll diese Mannschaft hier in Italien etwas Zählbares holen?
-> Vorschau auf die vierte Giro-Etappe.
Das Team Picnic PostNL ist auf der Suche nach einer Identität
Am 30. April war es endlich soweit. Casper van Uden gewann die fünfte Etappe der Türkei-Rundfahrt. Damit bescherte der 24-jährige Niederländer seiner Mannschaft Picnic PostNL endlich den ersten Saisonsieg. Die niederländische Equipe war das letzte aller WorldTour-Teams, dem in dieser Saison ein Sieg gelang. Die Freude war riesig. Gejubelt wurde im Ziel, als hätten sie gerade ein Monument oder die Königsetappe bei der Tour de France für sich entschieden. Beim Blick auf die Konkurrenz in der Türkei muss man sich aber fragen, ob hier ein Erfolg der ganz große Anspruch der Mannschaft sein kann. Allgemein hat das Team Picnic PostNL seit geraumer Zeit nicht mehr überzeugt. Schon im Vorjahr sollte es nur zu mickrigen vier Saisonsiegen reichen. Seit Anfang 2024 feierte man nur in fünf WorldTour-Rennen einen Erfolg. Umgerechnet bedeutet dies, dass man nur alle sechs Monate mal ein WorldTour-Rennen gewinnt. Für ein Team, das zur WorldTour gehören möchte, ist das viel zu wenig. Als Fan oder Zuschauer fragt man sich, welche Identität die Mannschaft eigentlich haben möchte. Sie präsentieren sich weder als Ausreißer-Truppe, noch als Team mit Top-Bergfahrern oder Top-Sprintern. Auch auf Zwischenwertungen sehen wir sie selten fahren.

Keine Siege, keine Ambitionen, keine Hoffnung?
Teams, die auf ProContinental-Ebene unterwegs sind und auf Wildcard-Einladung mitfahren dürfen, präsentieren sich meistoffensiv, aktiv und bereichern das Rennen, indem sie sich in Fluchtgruppen zeigen und auf Zwischenwertungen gehen. Wer sich zeigt, wird wieder eingeladen. Picnic PostNL ist als WorldTour-Team nicht auf solche Wildcards angewiesen. Sie sind automatisch mit dabei. Aber so wie sie hier in Italien auftreten, ist eines sicher: Als ProContinental-Team würden sie keine weitere Einladung mehr bekommen. Und wenn die Niederländer nicht aufpassen, sind sie bald auf diese angewiesen. Denn fahren sie weiterhin so uninspiriert und schlichtweg erfolglos, werden sie nicht mehr lange den Status eines WorldTour-Teams genießen.
Es gab deutlich erfolgreichere Zeiten
Es wird höchste Zeit, dass die Mannschaft ihre Herangehensweise überdenkt. Sie müssen attackieren, anfangen sichtbar zu werden und neue Ambitionen benennen. Sie haben ein Erbe zu tragen. Das Team existiert seit 2005 und hat weitaus erfolgreichere Jahre erlebt, z. B. unter den Namen Skill – Shimano, Giant – Alpecin, Sunweb oder DSM. Insgesamt stehen 320 Siege zu Buche, 113 davon auf WorldTour-Level.
Ein Team ohne Anführer
Schauen wir uns das acht Mann starke Aufgebot von Picnic PostNL für den Giro d’Italia 2026 an, fehlt uns die Phantasie, wie sie erfolgreich sein möchten. Casper van Uden muss es in den Massensprints mit Magnier, Milan und Co. aufnehmen – ein Sieg wäre eine Sensation. Warren Barguil ist zwar immer noch ein großer Name, aber der Franzose ist seit der Faun Drome Classic im Jahr 2024 bei keinem einzigen Rennen mehr unter die Top 7 gefahren. Seine Zeit ist einfach vorbei. Wer bleibt dann noch, um irgendwas zu holen?
So könnte sich Picnic PostNL den Giro d’Italia noch retten
Picnic PostNL kann nur über Fluchtgruppen kommen. Auf Flachetappen müssen sie genauso aktiv werden wie auf hügeligen und leicht bergigen Teilstücken. Das Argument „auf Flachetappen kommt eh keine Ausreißergruppe durch“ gilt nicht mehr. Sie müssen jede noch so kleine Chance nutzen, die sie bekommen. Denn geht es ins Hochgebirge, sind sie völlig chancenlos. Gijs Leemreize ist in der Gesamtwertung auf Platz 59 mit 1:11 Minuten Rückstand aktuell Bestplatzierter seines Teams. Er kann bei Mittelgebirgsetappen seine Chance versuchen. Auch Chris Hamilton ist ein Mann für solche Teilstücke – oder war es mal. Aber egal wie die Gruppenkonstellation auch sein mag – Favoriten auf den Tagessieg werden sie beide nicht sein. In der Ebene aber vor allem bei hügeligen Etappen muss Frank van den Broek in die Gruppen geschickt werden. Er ist aktuell Letzter in der Gesamtwertung. Irgendetwas muss man einfach versuchen.
-> Vorschau auf die 6. Giro-Etappe + Siegertipp!

Auf der vierten Etappe müssen sie dabei sein
Völlig egal wie das Rennen auf der vierten Etappe des Giro d’Italia verläuft – Picnic PostNL muss in der Fluchtgruppe mit dabei sein. Dieses Teilstück am Dienstag ist eines der wenigen, wo kein klarer Favorit benannt werden kann. Genau solche Tage sind für ProContinental-Teams und schwach besetzte Mannschaften Gold wert. Nimmt das Team Picnic PostNL den Giro d’Italia ernst, müssen sie mindestens zwei Leute in die Offensive schicken. Während diese Etappe für viele Mannschaften keine große Bedeutung hat und es für sie nur darum geht, den Tag zu überstehen, können die weniger erfolgreichen Teams genau dann das Rennen an sich reißen. Nichts spricht dagegen, es wenigstens zu versuchen. Denn zu verlieren hat dieses Team ohnehin nichts mehr.
-> Wie TUDOR die vierte Giro-Etappe dominieren kann.

