Eine Tour, die in Schottland beginnt, über die härtesten Berge Frankreichs führt und auf den Straßen von Paris ihr großes Finale erlebt: Die Strecke für 2027 verspricht einen Radsportsommer voller Emotionen. Auf 3.479 Kilometern warten auf die besten Fahrer der Welt 21 Etappen, zwei lange Einzelzeitfahren und eine brutale Königsetappe in den Pyrenäen. Bei der offiziellen Präsentation am 22. Oktober in Paris wurde deutlich, dass auf dem Weg zum Gelben Trikot Ausdauer, Mut und Vielseitigkeit gefragt sein werden.
Tour de France 2027 Vorschau: Grand Départ mit besonderer Atmosphäre
Die 114. Tour de France beginnt am 2. Juli 2027 so weit nördlich wie noch nie: in Edinburgh. Von der schottischen Hauptstadt führt die erste Etappe über 185 Kilometer nach Carlisle, wo die Sprinter auf das erste Gelbe Trikot hoffen dürfen. Danach wird es deutlich unberechenbarer. Das 223 Kilometer lange Teilstück nach Liverpool fordert bereits 3.000 Höhenmeter, ehe der Tour-Tross am dritten Tag in Wales auf klassikerähnlichem Terrain unterwegs ist. Auf dem Weg von Welshpool nach Cardiff warten zahlreiche kurze, steile Anstiege, die auch den Favoriten auf den Gesamtsieg gefährlich werden können. Damit führt der Grand Départ erstmals durch Schottland, England und Wales. Nach diesen drei ereignisreichen Tagen folgt bereits am 5. Juli der erste Ruhetag, der vor allem für den Transfer über den Ärmelkanal benötigt wird. In der Normandie nimmt die Rundfahrt anschließend wieder Fahrt auf, bevor die Bretagne mit ihren angriffslustigen Spezialisten in den Mittelpunkt rückt.

Zwei lange Zeitfahren verändern den Kampf um Gelb
Eine der auffälligsten Entscheidungen der Streckenplaner betrifft den Kampf gegen die Uhr. Erstmals seit 2012 stehen bei der Tour wieder insgesamt rund 71 Kilometer Einzelzeitfahren auf dem Programm. Die erste Prüfung findet bereits auf der siebten Etappe statt: Zwischen Blois und Chambord müssen die Profis auf einem weitgehend flachen Kurs 38,3 Kilometer allein bewältigen. Besonders Remco Evenepoel dürfte diese Streckenführung entgegenkommen, während die reinen Bergspezialisten möglichst wenig Zeit verlieren wollen. Lange können sie eine Niederlage jedoch nicht aussitzen. Schon zwei Tage später wartet mit dem Grand Colombier im Jura die erste Bergankunft. Die neunte Etappe umfasst 162 Kilometer und 3.750 Höhenmeter; allein der Schlussanstieg misst gut 17 Kilometer. Damit könnten sich die Kräfteverhältnisse im Gesamtklassement noch vor dem zweiten Ruhetag erheblich verschieben. Das zweite Zeitfahren rund um Toulouse folgt erst zum Auftakt der dritten Woche – eine ungewöhnlich späte Gelegenheit, das Klassement erneut durcheinanderzubringen.
Alpen und Zentralmassiv: Kaum Gelegenheit zum Durchatmen
Nach dem zweiten Ruhetag beginnt eine besonders anspruchsvolle Passage. Die zehnte Etappe führt von Annecy nach Sallanches und nimmt unter anderem die berühmte Côte de Domancy unter die Räder – einen Anstieg, der auch bei der Straßenrad-WM 2027 eine Rolle spielen wird. Noch schwerer erscheint der französische Nationalfeiertag am 14. Juli: Zwischen Cluses und Les Saisies verteilen sich auf gerade einmal 150 Kilometer satte 4.750 Höhenmeter. Der Col du Pré und die Montée de Bisanne versprechen ein hartes Ausscheidungsfahren, bevor die zweite Bergankunft erreicht wird. Nach zwei voraussichtlichen Chancen für die Sprinter in Valence und Montpellier wartet im Zentralmassiv bereits die nächste Belastungsprobe. Auf der 14. Etappe nach Mende summieren sich die Anstiege auf 4.300 Höhenmeter. Die steile Côte de la Croix Neuve vor dem Flugplatz ist wie geschaffen für explosive Attacken. Auch die anschließende Fahrt nach Albi könnte mutigen Ausreißern entgegenkommen.
The #TDF2027 : 🚩 3 479 km 📍 9 new stage towns and sites ⛰ 6 mountain stages ⏱️71 km of ITT 😱 53.450m of total vertical gain Le #TDF2027 : 🚩 3 479 km 📍 9 villes et sites étapes inédits ⛰ 6 étapes de montagne ⏱️71 km de chrono individuel 😱 53.450 m de D+ total https://t.co/U2c4UWUVZ6
— Tour de France™ (@LeTour) October 22, 2026
Die Pyrenäen liefern die Königsetappe – mit 5.400 Höhenmetern
Spätestens in der letzten Woche soll die Tour ihren dramatischen Höhepunkt erreichen. Zunächst eröffnet am 20. Juli ein 33 Kilometer langes Einzelzeitfahren rund um Toulouse die entscheidende Phase. Zwar ist der Kurs überwiegend flach, doch am Pech David müssen die Fahrer kurze Rampen mit bis zu 20 Prozent Steigung meistern. Nach einer möglichen Sprintankunft in Pau folgt am 22. Juli das schwerste Teilstück der Rundfahrt. Auf 174 Kilometern sammeln sich zwischen Pau und dem Col du Portet gewaltige 5.400 Höhenmeter. Col du Soulor, Col du Tourmalet und Hourquette d’Ancizan bereiten den Weg für den 16 Kilometer langen Schlussanstieg, der auf 2.215 Metern Höhe endet. Wer dort einen schlechten Tag erwischt, könnte den Traum vom Gelben Trikot begraben müssen. Doch auch anschließend ist noch nichts sicher: Die 19. Etappe nach Laruns bringt weitere 4.300 Höhenmeter und bietet am Col de Marie Blanque eine letzte große Gelegenheit zum Angriff.
-> Die 6 Gewinner der Tour de France 2026
Paris mit Montmartre: Ein Finale ohne Sprintgarantie
Nach den Pyrenäen dürfen die Sprinter am 24. Juli auf der 20. Etappe nach Libourne noch einmal von einem Tageserfolg träumen. Das Finale in Paris ist dagegen längst nicht mehr die traditionelle Parade mit vorhersehbarem Massensprint. Am 25. Juli führt die 116 Kilometer lange Schlussetappe von Saint-Quentin-en-Yvelines in die französische Hauptstadt, wo der Montmartre gleich dreimal erklommen wird. Die engen Straßen und der Anstieg über die Rue Lepic eröffnen Klassikerspezialisten wie Mathieu van der Poel oder Wout van Aert zusätzliche Möglichkeiten, bevor auf den Champs-Élysées der letzte Sieger gekürt wird. Im Mittelpunkt steht dennoch die Frage, wer das Gelbe Trikot bis Paris verteidigt. Titelverteidiger Tadej Pogačar könnte bei einem weiteren Triumph mit seinem sechsten Gesamtsieg alleiniger Rekordhalter werden. Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel und der junge Franzose Paul Seixas zählen zu den möglichen Herausforderern. Der Parcours verspricht jedenfalls einen abwechslungsreichen Dreikampf aus Zeitfahrstärke, Klettervermögen und taktischem Mut.
Tour de France 2027 Vorschau: Alle Etappen auf einen Blick
-> Schwere Vorwürfe gegen das Team Picnic – PostNL

