Nach dem ersten Ruhetag nimmt die Vuelta a Espana 2026 mit einer schwer einzuschätzenden 10. Etappe wieder Fahrt auf. Die 184,7 Kilometer von Alcaraz nach Elche de la Sierra sind ständig wellig, ohne einen wirklich großen Berg zu bieten. Genau diese Mischung könnte den Ausreißern entgegenkommen – sofern die Sprinterteams nicht bereit sind, den ganzen Tag für ein mögliches Finale zu arbeiten.

Drei Bergwertungen auf ständig welligem Terrain
Bereits der Beginn der zehnten Vuelta-Etappe zeigt, dass ein gemütlicher Wiedereinstieg nach dem Ruhetag nicht vorgesehen ist. Noch vor der ersten offiziellen Bergwertung führt die Strecke über den Puerto de las Crucetas, bevor nach 47,6 Kilometern der Puerto del Peralejo wartet: 5,2 Kilometer mit durchschnittlich 4,3 Prozent. Es folgt der Puerto de Aýna, der über 7,7 Kilometer bei vier Prozent ebenfalls zur 3. Kategorie zählt. Danach wird das Profil für längere Zeit etwas einfacher, ehe in Hellín nach 125 Kilometern der Zwischensprint ausgefahren wird. Entscheidend könnte schließlich der Puerto de Socovos werden. Seine 9,7 Kilometer bei durchschnittlich nur 3,5 Prozent wirken harmlos, doch der unregelmäßige Anstieg enthält mehrere deutlich steilere Passagen. Die Bergwertung wird nur 21,5 Kilometer vor dem Ziel passiert – spät genug, um das Feld noch einmal kräftig auszudünnen.
Ein schwieriger Tag für die Sprinterteams
Gerade der Puerto de Socovos macht die Etappe taktisch interessant. Von seiner Passhöhe führt die Strecke zunächst bergab, anschließend bleibt der Weg nach Elche de la Sierra wellig und bietet einer kleinen Gruppe Möglichkeiten, einen Vorsprung zu verteidigen. Für klassische Sprinter ist das Finale grundsätzlich machbar, doch ihre Teams müssen zuvor fast 185 Kilometer kontrollieren und dürfen keine zu starke bzw. zu große Fluchtgruppe ziehen lassen. Die offizielle Vuelta-Einschätzung sieht deshalb ausdrücklich gute Chancen für Ausreißer, falls sich die Sprintermannschaften nicht auf eine konsequente Verfolgung einigen. Fahrer mit guter Bergfestigkeit und starkem Endspurt besitzen dagegen ideale Voraussetzungen. Gleichzeitig bietet das hügelige Finale offensiven Fahrern mehrere Ansatzpunkte für späte Attacken. Damit könnte die zehnte Etappe genau zu jenen Tagen gehören, an denen lange unklar bleibt, ob die Flucht oder das Hauptfeld die besseren Karten besitzt.
Radikale Prognose: Visma | Lease a Bike entscheidet das Rennen
Die Mannschaft Visma | Lease a Bike wird den Verlauf und den Ausgang der zehnten Etappe der Vuelta a Espana entscheiden. Mit Wout van Aert, Christophe Laporte und Matthew Brennan haben sie gleich drei Fahrer in ihren Reihen, welche für den Tagessieg in Frage kommen. Sie können aus einer Gruppe heraus triumphieren oder aber im Sprint des Hauptfeldes. Durchaus möglich, dass sie zweigleisig fahren und einen Mann in die Gruppe schicken, um hinten nicht den ganzen Tag arbeiten zu müssen. Spannend zu beobachten sein wird, wie sich das Team um Mads Pedersen verhält, ebenso wie die Mannschaften von Axel Laurance, Bryan Coquard und Pau Miquel. Entsteht eine große, gefährliche Gruppe, werden wir vielleicht einige von ihnen in der Flucht wiederfinden. Klar aber ist: Gegen die Übermacht Visma | Lease a Bike – die auf einem solchen Terrain eigentlich alle Karten in der eigenen Hand hält – müssen sie sich etwas einfallen lassen.

