Die Vuelta a Espana 2026 beginnt mit einem spektakulären Auftakt im Fürstentum Monaco: Auf nur 9,4 Kilometern kämpfen die Fahrer im Einzelzeitfahren um den ersten Etappensieg und das Rote Trikot. Statt eines klassischen Hochgeschwindigkeitskurses wartet ein technisch anspruchsvolles Rennen durch enge Straßen, Kurven und Tunnel, bei dem Rhythmuswechsel und Fahrtechnik beinahe genauso wichtig werden wie die reine Wattzahl. Um 16:17 Uhr eröffnet Diego Uriarte das Rennen, ehe die größten Namen am Abend innerhalb weniger Minuten auf die Strecke gehen.

9,4 Kilometer zwischen Casino, Haarnadelkurven und Formel-1-Flair
Bereits die Streckenführung macht deutlich, dass dieses Zeitfahren kein gewöhnlicher Kampf gegen die Uhr wird. Gestartet wird an der Place du Casino, anschließend führt die Strecke durch zahlreiche Richtungswechsel, 180-Grad-Kehren und Kreisverkehre hinunter Richtung Küste und durch mehrere Tunnel. Unter anderem passieren die Fahrer die berühmte Fairmont-Haarnadel, den Bereich am Louis-II-Stadion, die Piscine und Teile der Strecke des Formel-1-Grand-Prix. Das Ziel befindet sich am Boulevard Albert 1er – genau dort, wo traditionell auch die Ziellinie des Großen Preises von Monaco liegt. Auf gerade einmal 9,4 Kilometern bleibt praktisch keine Gelegenheit, einen Fehler wieder gutzumachen. Mehrere kurze Anstiege verhindern zudem, dass die Spezialisten einfach nur ihre maximale aerodynamische Leistung abrufen können. Der Kurs darf insgesamt als technisch und dynamisch mit zahlreichen Kurven, Haarnadeln, Kreisverkehren, drei Tunneln und kurzen Steigungen beschrieben werden. Die richtige Dosierung wird entscheidend: Wer vor den Anstiegen oder aus den Kurven ständig neu beschleunigen muss, darf seine Körner nicht bereits auf den ersten Kilometern verschießen. Monaco bietet damit einen ungewöhnlichen Auftakt, bei dem selbst wenige Sekunden Unterschied schon eine erste kleine Aussage für das Gesamtklassement liefern können.
Pogacar und Roglic starten direkt hintereinander
Zu den interessantesten Kandidaten auf den Tagessieg gehört Joshua Tarling, der um 18:51 Uhr auf die Strecke geht. Der Brite bringt für ein solches kurzes Zeitfahren enorme Leistung mit, muss auf dem verwinkelten Kurs aber beweisen, dass er seine Stärke auch zwischen den vielen Kurven optimal einsetzen kann. Ähnliches gilt für Stefan Küng, der bereits um 18:17 Uhr startet und damit früh eine wichtige Richtzeit setzen könnte. Auch Ethan Hayter um 19:08 Uhr, Ivo Oliveira um 18:10 Uhr sowie Ivan Romeo um 19:18 Uhr gehören zu den Fahrern, die auf einem kurzen Kurs dieser Art weit vorne landen können. Besonders spannend wird allerdings das Finale. Wout van Aert startet um 19:17 Uhr und dürfte der technisch anspruchsvolle Parcours mit seinen vielen Beschleunigungen hervorragend liegen. Van Aert selbst sieht im Auftaktzeitfahren eine echte Möglichkeit, direkt weit vorne im Gesamtklassement zu liegen; seine Vielseitigkeit könnte auf diesem Kurs ein großer Vorteil sein. Direkt hinter ihm folgen mit Romeo, Tadej Pogacar um 19:19 Uhr und Primoz Roglic um 19:20 Uhr gleich mehrere der prominentesten Namen der Vuelta. Für Pogacar und Roglic geht es dabei nicht nur um den möglichen Etappensieg: Auf einer so kurzen Strecke können bereits fünf oder zehn verlorene Sekunden ärgerlich sein. Gerade deshalb verspricht der Auftakt Hochspannung bis zum letzten Fahrer – und der erste Träger des Roten Trikots dürfte erst unmittelbar vor 19:30 Uhr endgültig feststehen.
Radikale Prognose: Joshua Tarling gewinnt für seinen verstorbenen Bruder
Der Radsport ist die schönste Sportart der Welt. Er kann aber auch die grausamste sein. Vor wenigen Tagen ist Finlay Tarling im Alter von nur 19 Jahren während eines Radrennens verstorben. Bei der Portugal-Rundfahrt krachte er in ein Auto und verstarb. Sein Bruder Joshua Tarling steht trotzdem bei der Vuelta a Espana 2026 am Start und ist zum Auftakt direkt der Favorit auf den Etappensieg. Ein Sieg wäre ihm zu gönnen, aber kann der Brite mit dieser Last, diesem Druck, tatsächlich umgehen? Der Kurs jedenfalls liegt ihm. Er kann eine ordentliche Wattzahl treten, ist aber auch technisch versiert. Seine Hauptkontrahenten dürften Wout van Aert und Tadej Pogacar sein. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass der Weltmeister hier bereits alles riskiert. Ein Black Horse könnte hingegen Teamkollege Jay Vine sein.

