21 Etappen, 184 Fahrer, 23 Teams und viele Ziele, die wie Seifenblasen platzen werden. Der Giro d’Italia 2026 ist für viele Profis das Highlight der Saison. Ich blicke auf alle Mannschaften und Fahrer, die an der Italien-Rundfahrt teilnehmen werden. Können sie ihre Ziele erreichen?
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Groves & Gruppen heißt das Motto bei Alpecin – Premier Tech
Kaden Groves ist der klare Kapitän in der Mannschaft Alpecin – Premier Tech. Der Australier soll in den Massensprints um Siege kämpfen und hat dafür ein starkes Team an die Seite gestellt bekommen. Ist das Etappenprofil zu schwer für ihn, erhalten alle Fahrer freie Fahrt. Auch wenn Luca Vergallito ein passabler Kletterer ist, wird er keine Chance auf eine gute Platzierung in der Gesamtwertung haben. Auch er geht auf Etappenjagd. Oft werden wir in den Bergen gleich mehrere Fahrer dieser Mannschaft in der Flucht sehen.
Buitrago klettert, Segaert flüchtet
Santiago Buitrago ist der Kapitän von Bahrain – Victorious. Der Kolumbianer darf sich erneut als GC-Fahrer versuchen und peilt mindestens die Top Ten an. Der alte Hase Damiano Caruso wird ihn dabei unterstützen und selbst auf einen Etappensieg schielen. Er beendet nach dieser Saison seine Karriere. Erneut auf Gesamtwertung fahren kann er wohl nicht. Alec Segaert hat uns bei den Klassikern begeistert. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er beim Giro d’Italia 2026 auf einem hügeligen Teilstück eine Etappe gewinnt.
Eine aktive Fahrweise wird erwartet
Der italienische Zweitdivisionär Bardiani CSF 7 Saber schickt ein gewohnt spannendes Aufgebot nach Italien bzw. Bulgarien. Mit Enrico Zanoncello und Nikita Tsvetkov wurden gleich zwei starke Sprinter nominiert. Es ist davon auszugehen, dass sie selbst keinen Sprintzug aufbauen werden, sondern sich an die Hinterräder der Konkurrenten hängen. Luca Paletti ist eine spannende Personalie für die Berge. Der erst 21-Jährige hat sehr gute Ansätze gezeigt. Filippo Magli, Martin Marcellusi, Manuele Tarozzi und Co. kennen wir bereits aus den Vorjahren. Sie sind immer wieder auf hügeligem, sogar bergigem, Terrain auffällig.
Gall für die Berge, Lund Andresen für die Sprints
Auch das Decathlon CMA CGM Team ist zweigleisig unterwegs. Während Felix Gall versuchen wird, das Podium in der Gesamtwertung anzugreifen, kämpft Tobias Lund Andresen um Etappensiege im Sprint. Der Däne wird vor allem Unterstützung von Tord Gudmestad, Oliver Naesen und Rasmus Sojberg Pedersen erhalten. Gespannt sein dürfen wir auf Johannes Staune-Mittet. Kann der talentierte Norweger, der mittlerweile auch schon 24 Jahre alt ist, endlich in den Bergen überzeugen und zumindest ein guter Helfer für Felix Gall sein?
Aliengrün statt Pink: EF fällt hauptsächlich durch das Trikot auf
In Grün statt in Pink wird das Team EF Education – EasyPost beim Giro d’Italia 2026 an den Start gehen. Das Aufgebot verrät: So richtig wissen sie nicht, wohin das führen wird. Madis Mihkels wird sicher der Kapitän in den Massensprints sein. Für das Hochgebirge hat das Team Jefferson Alexander Cepeda am Mittwoch kurzfristig doch noch nominiert. Er dürfte im Hochgebirge auf Etappenjagd gehen. In der Gesamtwertung dürfen wir nicht mit EF Education – EasyPost rechnen. Aber Markel Beloki und Darren Rafferty gelten noch immer als große Talente. So wird man bei anspruchsvollen Profilen nur über die Fluchtgruppen kommen. Wie gemacht dafür ist Michael Valgren.
Wie will Groupama – FDJ United etwas Zählbares holen?
Der Kader von Groupama – FDJ United liest sich durchaus gut. Nur leider haben sie keinen ihrer besten Fahrer zum Giro d’Italia 2026 geschickt. Das Aufgebot lässt den Schluss zu, dass man lediglich in Ausreißergruppen gehen möchte. Es ist niemand im Kader, der in der Gesamtwertung Chancen auf die Top Ten hat. Auch das Bergtrikot wird keiner gewinnen können. In die Sprints kann man Paul Penhoët reinjagen. Aber Aussicht auf Erfolg sollten sie damit nicht haben. So bleibt nur die Flucht nach vorn. Immerhin befinden sich mit Brieuc Rolland und Rémy Rochas zwei spannende junge Kletterer im Aufgebot.
Zwei deutsche Helfer für Sprint-Superstar Jonathan Milan
Gleich zwei Deutsche entdecken wir im Aufgebot von Lidl – Trek. Tim Torn Teutenberg und Max Walscheid gehören gemeinsam mit dem Italiener Simone Consonni zum Sprintzug von Jonathan Milan. Etappensiege mit ihm genießen hier in Italien höchste Priorität. Mit Giulio Ciccone und Derek Gee-West hat die Teamleitung aber auch zwei starke Kletterer nominiert. Es ist davon auszugehen, dass Gee-West um einen guten Platz in der Gesamtwertung kämpfen möchte und dass Ciccone eher auf Etappenjagd gehen wird. Vielleicht ist sogar das Bergtrikot eine Option?
Ein starkes Team für die Etappenjagd
Lotto Intermarché wäre gut damit beraten beim Giro d’Italia 2026 voll auf Etappensiege zu fahren. Zwar könnten sie mit Lennert van Eetvelt auch in die Top Ten der Gesamtwertung klettern, aber viel wertvoller wäre sicherlich ein Tagessieg und ein Kampf ums Bergtrikot. Das wäre dem Belgier durchaus zuzutrauen. Sein Landsmann Arnaud De Lie aber hat sogar noch bessere Karten. Mit Milan Menten an seiner Seite kann er in Massensprints um Siege fahren. Der Deutsche Jonas Rutsch wird bei der Positionierung helfen und die Ausreißer jagen – wenn er nicht selbst in die Flucht geht.
Hügel und Berge sind die Freunde von Movistar
Mit Enric Mas als Kapitän startet das Team Movistar in Bulgarien. Der Spanier hat aber schon lange nicht mehr seine besten Qualitäten zeigen können, weshalb wir uns fragen müssen, ob er tatsächlich derjenige sein kann, der für Movistar hier die Erfolge einfährt. Juan Pedro Lopez, Javier Romo und Einer Rubio können ihm helfen – oder aber, wenn die Gesamtwertung außer Reichweite ist, selbst auf gute Ergebnisse in den Bergen fahren. Ist die Etappe für die reinen Sprinter zu schwer, ist immer mit Orluis Aular zu rechnen. Der Ecuadorianer ist im Sprint verdammt schnell, aber gegen Milan, Magnier und Co. hat er in einem flachen Finale dennoch keine Chance.
Ein Top-Team für Gruppen und Berge
Egan Bernal und Thymen Arensman werden versuchen auf Gesamtwertung zu fahren. Gelingt dies einem von beiden nicht, wird er automatisch zum Etappenjäger und Helfer des anderen Kapitäns. Die anderen nominierten Fahrer werden hauptsächlich als Helfer gebraucht, werden aber ihre Freiheiten erhalten. Einem Filippo Ganna ist nicht nur im Zeitfahren der Sieg zuzutrauen, sondern auch aus einer Flucht heraus. Auch Ben Turner und Magnus Sheffield sind Kandidaten für einen Etappensieg aus einer Ausreißergruppe heraus.
NSN geht auf Etappenjagd
Mit Ethan Vernon hat das Team NSN einen starken Sprinter nominiert. Ist das Etappenprofil für ihn zu schwer, ist Corbin Strong die Karte, die sie auszuspielen versuchen. Geht es in die Berge, bauen sie auf Jan Hirt und Alessandro Pinarello. Vor allem der zuletzt genannte Italiener ist eine spannende Personalie. Er ist erst 22 Jahre alt und könnte Potentiel sogar auf die Gesamtwertung fahren. Schlauer wäre es aber vermutlich, in auf Bergetappen in Fluchtgruppen zu schicken. Dann könnte er zu einer echten Überraschung werden.
Massensprints & Fluchtgruppen
Matteo Moschetti ist der Mann für die Massensprints im Team Pinarello Q36.5. Der Italiener hat mit Sjoerd Bax aber so richtig nur einen Mann, der ihm dabei helfen kann. Vermutlich wird er sich auf dem letzten Kilometer stets das Hinterrad eines Kontrahenten suchen müssen. Ist kein Massensprint vorprogrammiert, werden wir die Trikots häufig in Fluchtgruppen wiederfinden. Denn einen Mann für die Gesamtwertung hat der Schweizer Rennstall nicht, auch wenn Chris Harper es noch einmal versuchen könnte.
Ein starkes Team auch ohne Evenepoel und Lipowitz
Wie sehr sich das Team Red Bull – Bora – hansgrohe entwickelt hat, sehen wir am Aufgebot für den Giro d’Italia 2026. Ohne Remco Evenepoel und Florian Lipowitz – die zu den besten Klassementfahrern der Welt zählen – treten sie hier in Italien an. Mit Giulio Pellizzari haben sie dennoch jemanden nominieren können, der ein Favorit auf eine Platzierung auf dem Podium ist. Mit Jai Hindley und Aleksandr Vlasov hat er zwei Edelhelfer an seiner Seite. Das gesamte Team wird sich auf dieses eine Ziel fokussieren.
Paul Magnier möchte Jonathan Milan Paroli bieten
Magnier gegen Milan – so könnte das Duell in den Sprints beim Giro d’Italia 2026 lauten. Es ist jedoch fraglich, ob das Team Soudal – Quick-Step in der Lage ist, mit dem Zug von Lidl – Trek zu konkurrieren. Einzig Jasper Stuyven kann als herausragender Anfahrer für flache Sprints bezeichnet werden. Filippo Zana werden wir in den Bergen in Fluchtgruppen wiederfinden. Auch Gianmarco Garofoli ist ein angriffslustiger Fahrer. Steigt die Straße jedoch zu sehr an, tun sich alle Fahrer in dieser Mannschaft schwer.
Ein Team für Ackermann und O’Connor
Die australische Mannschaft Jayco AlUla fährt zweigleisig. Während Ben O’Connor versuchen wird in der Gesamtwertung aufs Podium zu fahren, ist Pascal Ackermann der Trumph für die Sprints. Der Deutsche hat mit Robert Donaldson, Christopher Juul-Jensen und Andrea Vendrame drei Fahrer an seine Seite gestellt bekommen, die für ihn den Sprint vorbereiten können. Scheitern alle Versuche, eine Etappe zu gewinnen, werden wir das lilafarbene Trikot aber auch in Fluchtgruppen wiederfinden. Felix Engelhardt – der zweite Deutsche in diesem Aufgebot – wäre dafür ein Kandidat.
Das Team Picnic PostNL kämpft ums sportliche Überleben
Erst vor wenigen Tagen hat das niederländische Team Picnic PostNL den ersten Saisonsieg eingefahren. Als letztes Team der WorldTour wartete man auf diesen Moment. Das spricht Bände, denn die Mannschaft hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert. Das Aufgebit beim Giro d’Italia 2026 ist nicht besonders stark, aber viel mehr gibt der Kader auch einfach nicht her. Die besten Aussichten auf einen Erfolg hat man wohl mit Casper van Uden in den Massensprints, auch wenn die Konkurrenz stark ist. Bei allen anderen Fahrern fehlt schlicht die Phantasie, sich vorzustellen, dass sie in der Lage sind ein Ergebnis einzufahren.
Offensive Etappenjagd auf jedem Terrain
Das Team Polti VisitMalta hat eine Wildcard für den Giro d’Italia 2026 erhalten – nicht zum ersten Mal. Wie schon in der Vergangenheit werden die Fahrer dieser Mannschaft diese Einladung mit einer offensiven Fahrweise belohnen. Mattia Bais werden wir in den Bergen attackieren sehen. Mirco Maestri – und fast alle anderen Fahrer dieser Mannschaft – fühlen sich vor allem auf hügeligem Terrain wohl. Außer Giovanni Lonardi. Der Italiener wird in die Massensprints reinhalten und hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass er in die Top drei sprinten kann.
Alle für einen!
Die Ziele der Mannschaft Visma | Lease a Bike sind schnell abgehandelt: Man möchte mit Jonas Vingegaard den Giro d’Italia gewinnen. Schon im Vorjahr war das Team mit Simon Yates erfolgreich, der mittlerweile seine Karriere beendet hat. Der Däne darf auf ein starkes Team bauen, wobei Sepp Kuss als Edelhelfer fungiert. Aber auch mit Davide Piganzoli, Wilco Kelderman und Victor Campenaerts ist in den Bergen zu rechnen. Ist es flach, dürfen Tim Rex und Timo Kielich auf ein gutes Ergebnis fahren. Gelingt den beiden im Sprint eine Überraschung?
Fokus auf Etappenjagd und Gesamtwertung
In einem offiziellen Statement ließ das Tudor Pro Cycling Team verlauten, dass man auf Etappenjagd gehen wird, aber auch eine gute Platzierung in der Gesamtwertung anpeilt. Für beide Vorhaben kommt vor allem Michael Storer in Frage. Aber auch Mathys Rondel und Florian Stork haben sich zuletzt in den Bergen und auf welligem Terrain stark präsentiert. Werden sie nicht als Helfer eingespannt, sind sie perfekt geeignet für eine lange Flucht in einer Ausreißergruppe. Luca Mozzato ist der Mann für die Sprints.
Eine Mannschaft ohne klaren Leader?
Dass Joao Almeida so kurzfristig den Giro d’Italia 2026 absagen musste, trifft das UAE Team Emirates – XRG hart. Nun können maximal Adam Yates und Jay Vine sich im Gesamtklassement versuchen. Wahrscheinlicher aber ist, dass alle Fahrer freie Fahrt erhalten und auf Etappenjagd gehen. Mit Jan Christen, Marc Soler, Jhonatan Narvaez und Antonio Morgado haben sie dafür aber auch die perfekten Fahrer. Sie werden einen guten Giro fahren, aber wohl selten wie gewohnt das Peloton mit Tempoarbeit anführen.
Die Unibet Rose Rockets starten durch
Sie sind dabei! Die Unibet Rose Rockets nehmen erstmals an einer Grand Tour teil. Während sie für die Tour de France keine Wildcard erhalten haben, dürfen sie sich auf den Giro d’Italia freuen. Für sie ist das – abgesehen von der medienwirksamkeit – tatsächlich auch die bessere Rundfahrt. Denn sie sind auf einen Sprinterfolg von Dylan Groenewegen oder auf eine erfolgreiche Flucht eines anderen Fahrers angewiesen. Lukáš Kubiš wäre dies auf welligem Parcours zuzutrauen. In den Bergen bauen sie auf den alten Hasen Wout Poels. Er hat schon Grand Tour-Etappen gewonnen.
Acht Norweger für einen Etappensieg
Vor drei Jahren ist Andreas Leknessund beim Giro d’Italia auf Rang acht gefahren. Damals träumten die Norweger von einem Top-GC-Fahrer. Dieser ist aus ihm nicht geworden. Dennoch führt er seine Mannschaft Uno-X Mobility auch 2026 an. Er dürfte aber nicht auf GC fahren, sondern auf Etappenjagd gehen. Ein weiteres norwegisches Klettertalent ist Johannes Kulset. Auch bei ihm wartet man auf den Durchbruch. Gelingt er beim Giro d’Italia 2026? Für die Sprints hat Uno-X Mobility Erlend Blikra nominiert. Der schon 29-Jährige fährt seine erste Grand Tour. Als Spätzünder hat er 2026 aber schon gute Ergebnisse eingefahren. Ein Sieg hier wäre trotzdem eine kleine Sensation.
XDS Astana könnte so offensiv und aggressiv fahren wie früher
Es ist beeindruckend, wie sich die Mannschaft Astana in den vergangenen zwei Jahren aus der Krise befreit hat. Mit guten Teamergebnissen haben sie den Klassenerhalt eingefahren und sind mittlerweile wieder in der Lage, Rennen „normal“ anzugehen. Da sie aber beim Giro d’Italia keinen klaren Leader nominiert haben, werden wir sie aktiv sehen, wie in alten Zeiten. Harold Martin Lopez ist der beste Kletterer, Christian Scaroni ist auf hügeligem Terrain der gefährlichste Mann in Cyan. Matteo Malucelli wird in die flachen Sprints reinhalten und auf eine Überraschung hoffen, während Davide Ballerini bei leicht hügeligen Etappen wohl die größten Aussichten auf Erfolg mitbringt.
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