Die 6. Etappe der Vuelta a Espana 2026 führt über rund 177,5 Kilometer von Alcossebre nach Castelló und könnte zu einem der unberechenbarsten Tage der ersten Woche werden. Vier gewertete Anstiege, fast 3.000 Höhenmeter und vor allem ein Schotterabschnitt am letzten Berg sorgen dafür, dass diese Etappe weit mehr als ein gewöhnlicher Übergangstag ist. Nach dem El Bartolo wartet zudem eine schnelle Abfahrt, sodass Mut, Fahrtechnik und die richtige Position im entscheidenden Moment gefragt sind.

Vier Anstiege und drei Kilometer Schotter
Die ersten 70 Kilometer sind bereits ausgesprochen wellig und bieten ideale Bedingungen für den Kampf um die Ausreißergruppe. Zunächst geht es über La Serratella, 14 Kilometer bei durchschnittlich 3,8 Prozent, ehe der Coll de la Bandereta mit 4,6 Kilometern und 6,7 Prozent folgt. Nach einer ruhigeren Phase und dem Zwischensprint in Benicàssim beginnt bei Kilometer 128,5 das Desierto de las Palmas, eine Bergwertung der 2. Kategorie über 7,6 Kilometer bei 4,9 Prozent. Danach nehmen die Fahrer einen Teil derselben Auffahrt erneut in Angriff, biegen diesmal jedoch zum El Bartolo ab. Dieser Schlussberg ist 9,4 Kilometer lang, im Schnitt 7,1 Prozent steil und als 1. Kategorie eingestuft. Besonders heikel sind die rund drei Kilometer auf unbefestigtem Untergrund kurz vor der Passhöhe. Von dort führt eine schnelle Abfahrt hinunter Richtung Castelló.
Perfekter Tag für Ausreißer – oder doch ein Angriff der Favoriten?
Das Profil spricht stark für eine hochwertige Fluchtgruppe. Bereits der kurvige Beginn erschwert die Kontrolle, während der El Bartolo mit seinen steilen Passagen und dem Schotter leicht genug Zeitabstände erzeugen kann, um einen Ausreißer bis ins Ziel zu bringen. Für die Klassementteams stellt sich dagegen die Frage, wie viel Energie sie investieren wollen – schließlich wartet bereits am folgenden Tag die Bergankunft in Valdelinares. Trotzdem kann auf dem Bartolo niemand unaufmerksam sein: Ein Defekt, schlechte Positionierung oder eine kleine Lücke auf dem Schotter könnte schnell teuer werden. Auch offensiv fahrende Kletterer wie Richard Carapaz, Mattias Skjelmose, Santiago Buitrago oder Tobias Halland Johannessen besitzen das Profil für einen Angriff. Nach der Bergwertung bleiben zunächst rund elf Kilometer schnelle Abfahrt und anschließend etwa neun flache Kilometer bis Castelló – ein zusätzlicher taktischer Faktor, falls sich vorne mehrere Fahrer zusammenschließen.
Radikale Prognose: Tadej Pogacar schlägt erneut zu
Tadej Pogacar hat einfach Spaß in seinem Beruf. Der slowenische Weltmeister liebt es, Radrennen zu fahren. Auch deshalb kann er die Füße einfach nicht still halten und neigt immer dazu, früh zu attackieren und seinen Kontrahenten keine Ruhe zu gönnen. Auch morgen wird er wieder antreten, denn so ein kleines Schotter-Spektakel ist genau nach seinem Geschmack. Es ist steil, es ist hart – es ist wie gemacht für Tadej Pogacar. Dahinter dürfen wir vor allem gespannt sein, ob Jarno Widar seinen starken Eindruck von gestern bestätigen kann.

