Jan Michał Jackowiak steht erst am Anfang seiner Karriere und doch zählt er schon jetzt zu den spannendsten Namen im internationalen Nachwuchs-Radsport. Der junge Pole hat sich mit starken Leistungen auf höchstem Juniorenniveau einen festen Platz im Blickfeld von Experten gesichert. In einer Zeit, in der der polnische Radsport nach neuen Aushängeschildern sucht, fällt sein Name immer häufiger. Seine Entwicklung wirkt dabei nicht wie ein Zufall, sondern wie das Ergebnis eines konsequent aufgebauten Weges.
Jan Michal Jackowiak ist der Hoffnungsträger des polnischen Radsports
Jan Michał Jackowiak wird nicht nur in seiner Heimat längst als eines der größten Talente seiner Generation gehandelt – und das nicht erst seit seinem Sieg beim italienischen Eintagesrennen Trofeo Città di San Vendemiano. Schon seine Ergebnisse im Jugend- und Juniorenbereich, kombiniert mit seinem ästhetischen Fahrstil, machen ihn zu einem Fahrer, der vor allem auf anspruchsvollem Terrain überzeugt. Besonders in Etappenrennen und auf bergigen Strecken fühlt er sich wohl. In einem Radsportland, das zuletzt nicht mehr regelmäßig große internationale Erfolge feiern konnte, verkörpert er neue Hoffnung. Die nationale und immer mehr auch die internationale Presse sieht in ihm einen möglichen Leistungsträger der Zukunft. Dabei überzeugt er nicht nur durch gute Ergebnisse, sondern auch durch seine stete Entwicklung. Jan Michal Jackowiak ist aber niemand, der sich aufdrängt. Er ist ruhig, bedacht und gut organisiert. In Interviews wirkt er abgeklärt und überlegt, wenn er Dinge sagt wie: „Ich gehe in jedes Rennen mit sehr hohen Ambitionen und Erwartungen. In diesem Jahr habe ich den Sprung in eine neue Altersklasse gewagt und wir probieren jetzt im Training verschiedene Dinge aus, um meine Entwicklung zu optimieren.“
„Ich bin durch meinen Vater zum Radsport gekommen. Er hat zusammen mit Michał Kwiatkowski eine Akademie gegründet.“
Jan Michal Jackowiak
Die Anfänge waren geprägt von Familie und Struktur
Seine Geschichte im Radsport beginnt früh und ist eng mit seiner Familie verbunden. Jan Michal Jackowiak kam durch seinen Vater zum Radsport, der gemeinsam mit dem polnischen Weltklassefahrer Michał Kwiatkowski eine Radsportakademie in seiner Heimatstadt Toruń gründete. Dort erhielt er seine erste Lizenz und machte im Alter von etwa elf Jahren seine ersten Tritte im organisierten Training. Diese strukturierte Förderung zeigte schnell Wirkung und erklärt sein immerzu professionelles auftreten. In den Nachwuchskategorien entwickelte er sich kontinuierlich weiter und sammelte wichtige Erfahrungen im Wettkampf. Besonders in der U17-Kategorie konnte er bereits auf sich aufmerksam machen: Mehrere nationale Titel, ein Etappensieg bei der Jugendtour in Deutschland sowie starke Gesamtplatzierungen zeigten früh, welches Potenzial in ihm steckt.
Der internationale Durchbruch im Juniorenbereich
Mit dem Wechsel in die Juniorenklasse folgte der entscheidende Schritt auf die internationale Bühne. Für das Team Cannibal-Victorious U19 Development, das eng mit Bahrain Victorious verbunden ist, konnte sich Jackowiak schnell etablieren. Bereits 2024 machte er mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, insbesondere beim Gran Premio FWR Baron, wo er nicht nur eine Etappe gewann, sondern auch den dritten Gesamtrang sowie zwei Nebenwertungen sicherte. Auch bei weiteren wichtigen Rennen zeigte er seine Klasse, etwa mit einem fünften Platz bei Aubel-Thimister-Stavelot. Zudem krönte er sich zum polnischen Bergmeister – ein Titel, der gut zu seinem Fahrprofil passt. Diese Ergebnisse waren kein einmaliges Aufflackern, sondern der Beginn einer konstanten Entwicklung auf internationalem Topniveau. Längst sind die Talentscouts der Teams auf ihn aufmerksam geworden.
„Ich konzentriere mich auf Etappenrennen mit hügeligem Profil und Zeitfahren. In den Bergen fühle ich mich am wohlsten.“
Jan Michal Jackowiak
Bestätigung auf höchstem Niveau
Die Saison 2025 brachte schließlich den endgültigen Durchbruch. Jan Michal Jackowiak gehörte zu den besten Juniorenfahrern der Welt und bestätigte seine Fähigkeiten mit einer beeindruckenden Konstanz. Besonders herausragend war sein Gesamtsieg bei der Course de la Paix der Junioren, einem der wichtigsten Etappenrennen dieser Kategorie. Dazu kamen zwei nationale Titel sowie zahlreiche Spitzenplatzierungen bei renommierten Wettbewerben wie der Flandern-Rundfahrt der Junioren, Paris-Roubaix Juniors oder dem Giro della Lunigiana. Auch bei internationalen Meisterschaften zeigte er seine Qualität. Mit einem dritten Platz im Straßenrennen bei den Weltmeisterschaften sowie weiteren Top-Ergebnissen im Zeitfahren und bei den Europameisterschaften bewies er, dass er auch unter höchstem Druck konkurrenzfähig ist. Aber auch Rückschläge – wie eine Verletzung, die ihn zeitweise ausbremste – konnte er überwinden und anschließend wieder an seine Leistungen anknüpfen. Bemerkenswert dabei ist, dass er sich in nahezu jedem Rennen gegen etwas ältere Fahrer behaupten musste. Schon immer ging Jan Michal Jackowiak bewusst den Duellen mit denjenigen Fahrern nicht aus dem Weg, die eigentlich schon weiter sein sollten als er.
„Meine Radsportkarriere hat für mich Priorität, aber ich habe auch die Universität im Hinterkopf.“
Jan Michal Jackowiak
Der Sprung in den Profibereich – und was noch kommen kann
Seine starken Ergebnisse weckten das Interesse mehrerer Teams, doch Jackowiak entschied sich bewusst für einen Schritt mit Perspektive und Kontinuität: 2026 wechselte er in die kontinentale Nachwuchsmannschaft von Bahrain Victorious. Dort stellte er sich erstmals regelmäßig der Konkurrenz im Profibereich und zeigte direkt, dass er auch dort bestehen kann. Bei seinem Saisonstart auf Sardinien belegte er einen starken sechsten Platz in der Gesamtwertung und wurde bester Nachwuchsfahrer. Beim Trofeo Città di San Vendemiano durfte er nun seinen ersten Profisieg bejubeln. Ein Ergebnis, das nicht nur sein Talent unterstreicht, sondern auch zeigt, wie schnell er sich an das höhere Niveau anpassen kann. Sein Profil als starker Kletterer und Rundfahrer lässt erahnen, in welche Richtung sich seine Karriere entwickeln könnte. Sollte er seinen Weg weiterhin so konsequent gehen, könnte Jan Michał Jackowiak in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil des internationalen Pelotons werden und vielleicht genau der Fahrer sein, auf den der polnische Radsport so lange gewartet hat. Im Juni wird er den Giro d’Italia Next Gen in Angriff nehmen, im August die Tour de l’Avenir. Ob er wirklich ein GC-Fahrer der Zukunft wird, sehen wir also schon in wenigen Wochen.

